Antike: Starre gestalterische Gefüge (Ägypten) entwickeln sich hin zu ästhetisch ausgewogenen (Kanon des Polyklet, Eumetrie, Klassik), später zu spielerisch bewegten Formen der Darstellung (Hellenismus in Griechenland und Rom). Im Bild wird vor literarischem und religiösem Hintergrund erzählt (antike Mythologien).
Spätantike: Der starken Orientierung an der griechischen Antike folgt ein Nachlassen der ästhetischen Ausgewogenheit, der Orientierung an Proportion und Kanon. Die Orientierung an ornamentalen Strukturen (inspiriert von nord- und osteuropäischen Kulturen) nimmt zu.
Früh- und Hochmittelalter: Jeglicher Illusion im Bild wird abgelehnt. Bilder werden ornamental organisiert. Christlich-religiöse Themen mit starker Narrativität herrschen vor.
Spätmittelalter: Die klerikal geprägten Dogmen zur Bildgestaltung werden aufgeweicht, die Orientierung am Hier und Jetzt mit z.T. höfischen und bürgerlichen Themen nimmt zu. Es tauchen wirklichkeitsorientierte Proportionen und erste Formen der Illusion im Bild auf.
Renaissance: Es herrschte eine starke Orientierung an der Antike und ihrem Schönheitskanon. Das Themenspektrum wird erweitert. Der Mensch als Individuum taucht im Bild auf: Porträt.
Barock: Es wird mit Licht, mit Dramatik, mit Formen und Kompositionsstrukturen gespielt. Religiöse und höfische Themen halten sich die Waage. Mitunter tauchen starke Bezüge zum Hellenismus sowie erste Formen realistischer (an der ungeschönten Lebenswirklichkeit orientierte) Haltungen im Bild auf.
Klassizismus: Die sich durchsetzende Aufklärung schlägt sich im Bild nieder. Es hebt eine erneute Rückbesinnung auf die Antike an (zunehmende Archäologie). In den Bildern herrscht eine starke Formalisierung, oft pathetisch, moralisch, pädagogisch übersteigert vor.
Romantik: Einer große Verunsicherung und Sinnsuche wird Ausdruck verliehen, das Individuum thematisiert, z.B. innerhalb der Einsamkeit in der Natur/in der Welt. Erneut taucht eine Orientierung an der (politisch stark geschwächten) Religion auf, ebenso weitere Realismen.
Realismus: Aufgrund einer z.T. sozialen Motivation orientieren sich die Künstler an der (auch tragischen) Lebenswirklichkeit, z.T. provokativ und stets unter Verzicht auf jegliche Idealisierung.
Freilichtmalerei und Impressionismus bilden einen bürgerlich geprägten Rückzug in die Ästhetik des Augenblicks, des Alltags und der Freizeit. Tragende Themen werden gemieden. Das Licht im Bild wird wichtiger als der Bildgegenstand. Das Wissen um die Funktionsweise des Auges, die Farbwahrnehmung schlagen sich in der Gestaltung nieder. Die Moderne hebt an, z.B. auch durch eine zunehmende Orientierung an fremden Kulturen (z.B. Japonismus).
Die Moderne (Jugendstil, Kubismus, Futurismus, Expressionismus, Neue Sachlichkeit) zeichnet sich durch einen deutlichen Bruch mit (ggf. bereits vorher in Frage gestellten) Traditionen aus: sehr individuelle Thematiken, sehr subjektive, gebrochene oder aufgegebene Perspektiven und Räumlichkeiten, Verzicht auf Farb- und Materialtreue, auf Handwerklichkeit und auf Ornament.
Die Kunst in den Diktaturen ist geprägt vom Rückbezug auf Klassizismen, auf die Antike, auf starke Idealisierungen, starke Übersteigerung idealisierter Menschen- und Weltbilder. Pädagogisch-moralisierende und kriegsverherrlichende Themen herrschen vor (Ausnahmen bzw. Ergänzungen: der Italofaschismus integriert z.T. den Futurismus als moderne Form der Gestaltung, der „Sozialistische Realismus“ bezieht sich auf realistische Traditionen)
Postmoderne: Zunächst verzichten viele KünstlerInnen auf die Gegenständlichkeit (in Abkehr von der Kunst der Diktaturen). Darauf folgt ein freies Spiel mit jeglicher Tradition. Der Kunstbegriff wird stark erweitert, es gibt neue Themen, Spielformen, Formate, Techniken, Vermittlungs- und Rezeptionsformen. Die Partizipation der RezipientInnen kommt auf. Z.T. werden moderne „Traditionen“ fortgesetzt (Klarheit, Schlichtheit, Konzentration aufs Wesentliche, Subjektivität und Individualität). Kollektives Arbeiten tritt z.T. an die Stelle individuellen Geniekults (Factory, ...)
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