Der HC-Wendelstein unterwegs – Kulturprogramm in München

Am Samstag, den 20.02.2016, fuhren acht Schülerinnen und Schüler des HC Wendelstein zusammen mit einigen interessierten Eltern und zwei Lehrkräften des Gymnasiums Wendelstein, Frau Lenner und Herrn Kellner, nach München, um in der Glyptothek den Anfängen der europäischen Dichtkunst nachzuspüren. Frau Dr. Kornelia Kressirer, Archäologin aus Würzburg, die ihre Doktorarbeit zur Darstellung des Greisenalters in der Antike verfasst hat, führte die Gruppe zu verschiedenen Ausstellungsstücken, die trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Aussageabsicht alle mit dem Thema des frühen europäischen Literaturschaffens verbunden sind.

Sie begann bei einer Büste Homers, dem Vater der europäischen Dichtung, der in der Antike ohne Anspruch auf Wirklichkeit als Blinder dargestellt wurde. Symbolisch sollte damit seine Imaginationskraft und sein Genie ausgedrückt werden, das ihm die künstlerische und in ihrer Komposition formvollendete Erzählung von Geschichten erlaubte, die er selbst nicht erlebt hatte. Einige Details aus der Ilias stellte Frau Kressirer anhand weiterer Exponate vor, zu denen auch ein Tempelgiebelrelief zählte. Dann spannte sie den Bogen weiter zur lateinischen Literatur, um aufzuzeigen, dass auch Metamorphosen Ovids die Phantasie der plastischen Künstler anregten. Seine Werke erfreuten sich ebenso wie die großen klassischen Stoffe um den trojanischen Krieg  großer Bekanntheit und Beliebtheit. Das lässt sich an den Momentaufnahmen nachvollziehen, als die gerade plastische Kunstwerke zu verstehen sind. Trotz des Festhaltens nur eines Augenblicks der großen Erzählungen war den Menschen in der Antike klar, welche Geschichte ihnen entgegentrat.

Den Rest ergänzte die inspirierte eigene Phantasie. Ähnliches gilt für eine fast filmisch, in fortgesetzten Szenen abgebildete Darstellung vom Schicksal der Iphigenie auf einem Sarkophag. Wenige Andeutungen reichten, um dem antiken Betrachter den Lauf ihres Schicksals und das ihrer Familie vor Augen zu führen. Frau Kressirer entwickelte im Gespräch mit der Gruppe anschaulich die mythologischen Geschichten, indem sie zum genauen Hinsehen anregte und Details erläuterte, die dem ungeübten Betrachter meist entgehen oder deren Aussage von ihm nicht richtig verstanden wird. Wie Literatur unterrichtet und in künstlerische Darbietung umgesetzt wurde, bildete ein weiteres Thema der Führung, das vor allem die Schülerinnen und Schüler interessierte, die am Wahlkurs LEF-Poetry-Slam teilnehmen.

Nach einer informativen Stunde führte uns der Weg von der Glyptothek ins Deutsche Museum und damit zu einem naturwissenschaftlich-technisch orientierten Kontrastprogramm. Herr Kellner legte kurz die Entstehung des Deutschen Museums dar und gab eine Anleitung, wie man sich bei dem großen Angebot des Hauses orientieren kann. Die Anregung, sich bei einer Vorführung zur Hochspannung wieder zusammenzufinden, wurde von den Schülern gern angenommen. In der Zwischenzeit konnten sie sich nach eigenem Interesse ihre Besichtigungsschwerpunkte aussuchen. Zum Abschluss stellte Herr Kellner noch ein Ausstellungsstück vor, mit dem Arno Penzias und Robert Wilson 1964 in New Jersey (USA) die kosmische Hintergrundstrahlung als weiteres Indiz für den Urknall nachgewiesen haben und dafür 1978 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Aufgrund seiner frühkindlichen Erinnerungen an das Deutsche Museum sandte Arno Penzias die Empfangsanlage als Leihgabe in seine Geburtsstadt München, obwohl er als Kind deutsch-jüdischer Abstammung 1939 aus Deutschland fliehen musste (s. auch: Arno Penzias, die kosmische Hintergrundstrahlung und das Deutsche Museum).

Nach Museumsschluss begab sich die Gruppe unter Schneeschauern zurück zum Bahnhof und kam am Abend müde von den vielen Eindrücken, aber doch zufrieden wieder in Nürnberg an.

Elke Lenner und Wolfgang Kellner

 

Foto: Die Teilnehmer der Exkursion vor dem Deutschen Museum.