Schreiben wie im Mittelalter!

Wer heute neuen Lesestoff benötigt, der sucht die Buchhandlung seines Vertrauens auf oder bestellt online ein Buch für kleines Geld. Vor ca. 1200 Jahren, zur Zeit Karls des Großen, war das noch völlig undenkbar. Damals musste man in etwa den Betrag hinblättern, den heute ein Einfamilienhaus kostet, wenn man ein Buch in Auftrag gab. Dieses wurde dann in mühevoller Handarbeit aus Pergament, Holz und Leder hergestellt und über Wochen hinweg von Hand geschrieben.

Einen Einblick in diese aufwändige Entstehung eines Buches, die für uns im heutigen Zeitalter der digitalen Massenkommunikation und moderner Drucktechniken kaum mehr vorstellbar ist, erhielten die Klassen 7a, c, e und f am 04. und 05. Februar. Das „Museum im Koffer“ kam mit einer mobilen Ausstellung ans Gymnasium Wendelstein und ließ die Schüler im Rahmen einer mittelalterlichen Schreibwerkstatt zurück in jene Zeit reisen, in der man mit Gänsekiel und selbst aus Mineralien, Pflanzen oder bestimmten Tieren hergestellter Tinte schrieb.

Zum Klang gregorianischer Gesänge verwandelte sich das Klassenzimmer für diese beiden Tage in die mittelalterliche Schreibstube eines Klosters, wo jeder Schüler selbst eine kostbare Buchseite gestalten durfte. Dazu gehörte nicht nur das Schreiben in den Lettern der sogenannten karolingischen Minuskel, was sich mit der Feder als gar nicht so einfach erwies, sondern auch das Illuminieren der Seite mit selbst angerührten Farben. Als Krönung wurde jedes der so entstandenen Unikate mit einem Hauch von Blattgold versehen, sodass die Teilnehmer stolz ein eigenes kostbares Kunstwerk mit nach Hause nehmen konnten.

Verena Müller