Kein Happy End

Reglos liegt sie auf dem Boden der zugigen, kargen Wohnung, einen Muff in den Händen, in den Armen ihres Liebsten. Kein Atem kommt mehr über ihre Lippen, dafür aber Tränen über die Wangen ihrer Freunde. Es ist die letzte Szene aus Giacomo Puccinis Oper "La Bohème", und sie endet mit einem Tod. Kein "Happy End" wartet auf die Zuschauer, die insgeheim doch noch darauf warten, die Mimì sich regt oder wenigstens der Doktor noch rechtzeitig eintrifft. Doch das Stück endet so, wie es begonnen hat: Mit Hoffnung auf Liebe, Armut und einer heruntergekommenen Bleibe, die den Namen Zuhause wohl kaum verdient.

Vier verarmte Künstler sind es, die in Paris an Weihnachten um ihre Existenz kämpfen. Das geht sogar so weit, dass eigene Werke, allen voran die des Dichters Rodolfo, verbrannt werden müssen, um nicht zu erfrieren. In ebenjener Nacht trifft Rodolfo dann aber auf seine Nachbarin, die Näherin Mimì, die ihren Schlüssel in seiner Wohnung verliert. Die beiden kommen sich näher und fertig ist die tragische Liebe, die sich die beiden in ihrem Duett "O suave faniculla" eingestehen.

Die Stimmen von Ilker Arcayürek (Rodolfo) und Hrachuhí Bassénz (Mimì) konnten durchaus beeindrucken, wurden jedoch leider immer wieder von den Klängen der Staatsphilharmonie Nürnberg übertönt und teils sogar verschluckt. Überzeugend war dafür jedoch das Bühnenbild. Ob die Wohnung der Künstler oder der von Mimì, der Weihnachtsmarkt oder das Café Momus, immer wieder faszinierte der schnelle Bühnenbildwechsel mit Detailreichtum und wirklich gut umgesetzten Umgebungen. Sogar ein bisschen Schnee rieselte auf die Darsteller hinab. Da blieb so manchem Zuschauer auch mal der Mund offen stehen.

Auch die Handlung nimmt im Laufe des Stücks an Dramatik zu. Eifersucht zwischen Rodolfos Freund Marcello und seiner Freundin Musetta sowie Mimìs Tuberkulose-Erkrankung verleihen dem Stück immer wieder neue Brisanz. Alles Flehen und Hoffen bringt schlussendlich jedoch nichts, trotz vereinter Kräfte stirbt Mimì schon bald darauf und das Stück endet mit Rodolfos verzweifelten Rufen nach der Verstorbenen - erneut verschluckt vom Orchester, das damit leider auch die Verzweiflung aus dem Raum nimmt.

Sowohl Sänger als auch Musiker gaben insgesamt eine gute Inszenierung der Geschichte wieder, nur zusammen wollte es nicht hundertprozentig funktionieren. Denn sonst hätte der Schluss sicher dem einen oder anderen Zuschauer ein paar Tränchen kosten können.

 

Sophia Grabendorfer, Alena Büttner (Klasse 10b) über den Besuch der Klassen 10b, c und d in der Oper "La Bohème" von Giacomo Puccini am 7.12.2017 im Staatstheater Nürnberg