HC: Mit Lehm an den Füßen durch Bamberg

Am 6. November machte sich ein kleiner Teil unseres HCs auf, um in der Stadt Bamberg mittelalterliche und andere historische Spuren zu suchen. Gleich hinterm Bahnhof ging es los mit der Stilvielfalt des 19. Jahrhunderts, was unser Stilgefühl erst mal gehörig durcheinander wirbelte. Aber eine wichtige Entdeckung wurde schon vor dem Betreten der Altstadt klar: Die Bamberger hatten einen Faible für barockes Bauen ob im Barock oder zur Gründerzeit, da waren sich die Schülerinnen und Schüler des HC natürlich nicht gleich so sicher.

In der Altstadt wurden dann die Spuren der Geschichte noch dichter und vor allem noch älter. Und wenn wir gar nicht weiter wussten, dann waren die Bewohner der Häuser oft so nett gewesen, und hatten das Baujahr des Hauses in der Fassade vermerkt. So ging es zeitlich mit einigen holprigen Lücken über die Jahrhunderte zurück bis ins Mittelalter und räumlich über holpriges Kopfsteinpflaster bis vor den Bamberger Dom. Er kündet uns noch heute von fernen Zeiten, als im Umkreis einer damaligen Tagesreise (ca. 30 km) bereits Heidenland war, als die letzten Regnitzslawen dort noch ganz anderen Göttern huldigten und Oberfranken gerade erst zum christlichen Abendland gezählt werden konnte (um 1000 n.u.Z.). Im Dom guckten wir den berühmten, etwas jüngeren Bamberger Reiter (13. Jhdt.) an, dem man deutlich ansieht, dass er dem vermeintlich tiefdunklen Mittelalter schon fast entwischt war. Hübsch ist er anzusehen, bodenständig und realitätsnah guckt er auf uns herab.

Gleich gegenüber konnten wir auch sehen, warum den Bambergern der Barock so ans Herz gewachsen ist, glänzt(e) in diesem Stil doch des Erzbischofs Residenz und damit auch der gebaute Ausdruck von Macht, Frömmigkeit und Bildung. In der etwas klapprigeren Alten Hofhaltung konnten wir nachfühlen, warum es hier den neuzeitlichen Bischöfen wohl nicht mehr so gut gefallen hatte, wohl aber Paul W. S. Anderson, dem Regisseur eines der letzten Musketierfilme, der hier eine fulminante (weniger) Mantel-und- (mehr) Degen-Show für seine Neuauflage von Dumas´ Klassiker in Szene gesetzt hatte.

Weil unsere HCler unermüdlich sind sowohl in ihrem Wissensdurst als auch in ihrem Durchhaltevermögen, ging es gleich weiter zur Jakobskirche. Sie soll so aussehen, wie der Dom zur Zeit seiner Einweihung. Da wurde das Licht nämlich noch nicht von gotischen Buntglasfenstern ausgefiltert und der Innenraum war weiß gestrichen. So dunkel konnte das hohe Mittelalter also gar nicht gewesen sein.

Gleich im Anschluss machten wir uns durch den Teufelsgraben auf zur Altenburg. Weil hier der Weg aber verteufelt matschig war, gaben wir kurz vor dem Ziel auf und konnten deshalb in Ruhe unseren Zug erreichen, der uns wieder nach Mittelfranken brachte. In Bamberg haben wir zum Abschied noch eine Lehmspur quer durch die Stadt gezogen. Es sah so aus, als kämen wir direkt aus dem Mittelalter.

Werner Bloß

 

00032 visits00032 visits00032 visits00032 visits00032 visits