KZ-Gedenkstättenfahrt der Jahrgangsstufe 9 nach Dachau

Im März und April sind mehrere 9. Klassen zu unterschiedlichen Terminen in die KZ-Gedenkstätte nach Dachau gefahren. Morgens um 8.10 Uhr begannen wir als Klasse 9g unsere Exkursion mit einer zweistündigen Busfahrt in Richtung Dachau. Im Konzentrationslager angekommen, gingen wir zuerst zum Besucherzentrum, bei welchem wir auf unseren Guide warteten. Währenddessen konnten wir vor dem Rundgang noch etwas Essen, weil auf dem gesamten Gelände ein striktes Essensverbot herrscht. Unser Guide führte uns zuerst zu einer Infotafel und gab uns ein paar allgemeine Informationen zum Lager: Das KZ Dachau wurde am 22. März 1933 errichtet und war ein reines Arbeitslager. Die ersten Häftlinge wurden dabei in einer leerstehenden Pulver- und Munitionsfabrik untergebracht. Im Juni desselben Jahres wurde Theodor Eicke zum Kommandanten des Konzentrationslagers ernannt. Er entwickelte ein Organisationsschema sowie ein Reglement mit detaillierten Bestimmungen, wie sie später für alle Konzentrationslager gültig wurden. Auch die Einteilung der Konzentrationslager in zwei Bereiche, das von vielfältigen Sicherungsanlagen und Wachtürmen umgebene Häftlingslager einerseits und den sogenannten Kommandantur-Bereich mit Verwaltungsgebäuden und Kasernen für die SS andererseits, stammte von ihm. Eicke wurde später zum Inspekteur für alle Konzentrationslager ernannt, das KZ Dachau machte er zum Vorbild für alle übrigen Lager und zur „Mörderschule“ für die Angehörigen der SS. 

Die heutige Gedenkstätte umfasst den Bereich des ehemaligen Häftlingslagers und den des ehemaligen Krematoriums. Der größte Teil des Konzentrationslagers Dachau, das Gelände der SS, ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach der Befreiung des KZ Dachau durch US-amerikanische Streitkräfte am 29. April 1945 übernahmen die US-Truppen das ehemalige Kasernengelände. Seit 1972 wurde es von der Bayerischen Bereitschaftspolizei genutzt. Die ersten Häftlinge des KZ Dachau waren politische Gegner des Regimes, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und vereinzelt auch Mitglieder konservativer und liberaler Parteien. Auch die ersten jüdischen Häftlinge wurden auf Grund ihrer politischen Gegnerschaft in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. In den folgenden Jahren wurden immer neue Häftlings-Gruppen nach Dachau gebracht: Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und Homosexuelle. Im Frühjahr 1938 kamen dann österreichische Gefangene nach Dachau. Es folgten im selben Jahr Häftlinge aus den sudetendeutschen Gebieten, im März 1939 tschechische Häftlinge und nach Kriegsbeginn Häftlinge aus Polen, Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Russland, usw. Die größte nationale Gruppe waren die polnischen Häftlinge, gefolgt von den Häftlingen aus der Sowjetunion. Insgesamt waren über 200.000 Gefangene aus mehr als 30 Staaten in Dachau inhaftiert.

Nachdem uns diese Informationen gegeben wurden, ging es weiter vor den Eingang des KZ, das sogenannte Jourhaus. Dort sah man noch den alten Bahnsteig, wo die Züge mit den Häftlingen ankamen. Im Jourhaus befand sich dann der Eingang, ein großes Eisentor mit dem Spruch „Arbeit macht frei“. Dieser Spruch sollte den Arbeitern Hoffnung geben, dass sie, wenn sie nur genügend arbeiten, wieder freikommen. Außerdem sollte es für die restliche Bevölkerung so wirken, als würden die Leute in diesem Lager mit Hilfe der verrichteten Arbeit umerzogen. Allerdings stimmte nichts davon, denn es wurden nur vereinzelt und sehr selten Leute entlassen. Die Arbeiter mussten so lange arbeiten bis sie starben, Suizid begingen oder umgebracht wurden. Somit ist der Spruch an der Eingangstür ein besonders zynischer.

Danach ging es für uns weiter auf den sogenannten Appellplatz, eine Schotterwüste vor den Baracken. Dort mussten die Häftlinge morgens und abends bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit antreten. Oftmals standen sie sogar tagelang auf diesem, weil jemand fehlte oder gegen die strengen Lagerregeln verstoßen hatte und die Häftlinge solange dort stehen mussten, bis der Fall geklärt war. Von diesem Platz aus sah man das Wirtschaftsgebäude und zwei von vierunddreißig rekonstruierten Baracken. Im Wirtschaftsgebäude befanden sich verschiedene Werkstätten und Lagerräume sowie die Häftlingsküche und die Wäscherei. Außerdem waren dort auch der so genannte Schubraum und das Häftlingsbad, in denen die entwürdigende Einlieferungsprozedur der Häftlinge stattfand, untergebracht. Heute befindet sich dort die Dokumentationsausstellung zur Geschichte des KZ Dachau.

Hinter dem Wirtschaftsgebäude befindet sich der Bunker. Ein Gefängnis im Gefängnis sozusagen. Dort wurden Häftlinge einzeln inhaftiert. Außerdem gab es dort auch noch sogenannte Dunkelhaft- und Stehzellen. In den Baracken wohnten die Häftlinge. Dort befanden sich auch die Toiletten, Waschbecken, Spinte und Betten der Häftlinge. Ab 1944 war das Lager allerdings so sehr überbelegt, dass diese zu dritt in einem Bett schlafen mussten. Eine der hinteren Baracken war eine besondere, weil dort nämlich die Kranken untergebracht wurden. Allerdings war diese nicht sehr beliebt, weil man dort von nicht ausgebildeten Aufsehern behandelt wurde und maximal drei Monate lang bleiben durfte. So schmierten sich viele Häftlinge Erde, Farbe oder Blut ins Gesicht um nicht blass und somit nicht krank zu wirken. Zusätzlich wurden in einer Baracke sogar medizinische Experimente an Häftlingen durchgeführt. Ein weiterer Anlaufpunkt unserer Führung war die Gefängnismauer. Diese war unüberwindbar und ständig von Türmen aus bewacht. Jeder Häftling, der in Richtung der Mauer lief, wurde umgehend erschossen. Hinter dem „normalen“ Lagerbereich befand sich dann noch das Krematorium. Dort wurden alle Leichen des Lagers eingeäschert. Außerdem wurden dort auch Häftlinge erschossen und im sogenannten „Brausebad“ hätte theoretisch auch die Möglichkeit zur Vergasung von Lagerinsassen bestanden, was für das KZ Dachau allerdings nicht belegt ist. Hier mussten auch wieder Häftlinge die Arbeiten verrichten, wodurch sie vielfach ein sehr starkes Trauma erlitten. Allgemein wurde im KZ auch zu jeder Zeit und nach Lust und Laune der Aufseher Folter an den Häftlingen verübt. 

Heute hat man für alle Gruppen von Menschen, die dort gequält und umgebracht wurden, verschiedene Denkmäler errichtet, damit deren Hinterbliebene ihrer gedenken können. Am Ende der Führung wurde uns dann noch ein Film über das Konzentrationslager Dachau gezeigt.

Trotz des traurigen historischen Hintergrundes war es insgesamt ein sehr interessanter und lehrreicher Ausflug.

Quelle: www.kz-gedenkstaette-dachau.de

Philipp Plößl 9g

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