Winterwunderland – Exkursion zur Leipziger Buchmesse 2018

Bücherfreundinnen und Wortliebhaber, Cosplay- und Comic-Fans, literarisch Interessierte aus und um Wendelstein nehmen „traditionell“ so einiges in Kauf, um Deutschlands zweitgrößte Buchmesse zu erreichen. „Fahrt unter erschwerten Bedingungen“ – so kann wohl das Engagement der Buchmessen-Reisenden charakterisiert werden: 2016 fand die erste Exkursion am ersten Sonntag in den Osterferien statt. 2017 sorgte die Zeitumstellung für Innerlichkeit und Stille. 2018 brach das Schneeinferno aus. In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Kuhn, Feucht, konnte nun zum dritten Mal eine Exkursion zur Buchmesse am letzten Messe-(Sonn)tag realisiert werden. Wieder eingeladen war die gesamte Schulfamilie: Schülerinnen und Schüler der 9. - 12. Jahrgangsstufe – das Kollegium, Familie, Freundinnen und Freunde – alle waren herzlich willkommen. Die Fahrt fand auf eigene Verantwortung statt, die Teilnehmenden gestalteten sich ihren Messetag nach Interesse und Vorlieben. Wir haben uns in der Planung für einen Sonntagsausflug entschieden, weil hier erfahrungsgemäß weniger BesucherInnen erwartet werden, zudem verkauft werden darf. Im Folgenden finden sich eindrucksvolle Schilderungen, heitere Reflexionen und Anmerkungen eines üppigen, erlebnisreichen, durchaus anstrengenden Tages.

Claudia Leder

 

 

Als sich der Bus im verschneiten Feucht dieses Jahr auf den Weg nach Leipzig machte, dachten wir sehnsüchtig an die frühlingshaften Temperaturen des letzten Jahres zurück. Trotz der winterlichen Wetterverhältnisse kamen wir gut in Leipzig an und stürzten uns gegen Mittag ins Getümmel der Buchmesse. Das Angebot war wieder äußerst vielfältig und so vergingen die Stunden wie im Flug. Viel Zeit verbrachten wir dieses Jahr nicht nur an den Verlagsständen, sondern entdeckten auch das breit gefächerte Angebot der Bundesregierung, Bundesbank und der großen Fernsehanstalten. Gegen Ende des Tages musste dann noch auch das ein oder andere Buch / Hörbuch gekauft werden. Schwer bepackt und erschöpft saßen wir alle wieder pünktlich um 17.00 Uhr im Bus. Es war auch dieses Jahr wieder ein toller, erlebnisreicher Tag.

Simon Schmidt, 9a

 

Fahrt zur Leipziger Buchmesse

Es ist Sonntag, der 18.März, 7.40 Uhr. Die Fahrt mit dem Auto zum Wendelsteiner Gymnasium ist abenteuerlich. Ernsthaft ziehe ich es in Erwägung, Frau Leder das Geld für die Fahrt zur Leipziger Buchmesse in die Hand zu drücken und dann anschließend wieder nach Hause zu fahren. Ich habe keine Lust, diesen Tag bei Schneechaos im Stau zu verbringen. Stattdessen könnten wir eine richtig coole Familien-Schlittentour machen. Ich spreche diesen Gedanken laut aus. Meine Tochter und ihre Freundin schauen sich entgeistert an. Ich sehe es im Rückspiegel. Ob ich es ernst meinte, weiß ich selbst nicht genau. Frau Leder verbreitet aber vor dem Schulgebäude Optimismus und begrüßt uns herzlich und gut gelaunt. Auch meine Laufer Freundin kommt pünktlich am Schulparkplatz an. Es ist ein freudiges Wiedersehen früherer Kolleginnen: Bereits bei der letzten Fahrt stellte sich im Gespräch heraus, dass sich Frau Leder und meine Freundin Christina aus ihrer Zeit am Gymnasium dort kennen. Ich kann hier also mit gutem Grund behaupten, dass die Fahrt zur Buchmesse ein wahrer Ort menschlicher Begegnung ist.

Wider Erwarten verläuft die Fahrt nach Leipzig ohne nennenswerte Verzögerungen. Kurz nach 12 Uhr betreten wir die literarischen Hallen. Die vollständige Übersetzung des Zhuangzi habe ich mir als Erstes in meinem Buchmesseprogramm markiert. Das Werk werde oft als Bibel der Chinesen bezeichnet, erfahre ich beim Vortrag. Eine Passage liest der Übersetzer vor: Es geht um den Urvogel Pong, der weit nach oben in den Himmel aufsteigt und sich bei günstigem Wind auf den Weg zum Südmeer begibt. Der Text ist reine Poesie und beflügelt im wahrsten Sinne des Wortes meine Fantasie. Wie wäre das, denke ich mir, wenn man all diese Worte, Sätze, Texte und Bilder, welche einem hier aus jedem Winkel entgegenströmen von oben aus der Vogelperspektive, quasi als Einheit, überblicken und erfassen könnte. Da gibt es exzentrisch laute und zurückhaltend leise Worte, wirkungsvoll flotte und betont langsame, melancholische und heitere, alarmierende und lähmende, sachlich erklärende und zutiefst poetische, aggressive und innig empfindende, philosophisch tiefgründige und statistisch darstellende, gelassen lebenskluge und hitzig progressive Töne.

All dies will in den Hallen der Buchmesse kommuniziert und an den Mann/ die Frau gebracht werden. Pong, der Urvogel, könnte wohl eine gewaltige Sinfonie aus all diesen unterschiedlichen Klangfarben komponieren, ein Zusammenklang (griech. „synphonein“), der alle Themenbereiche der Messe miteinander verbindet. Puh – ich befinde mich wieder auf dem Messeboden. Da gibt es Verlage, von denen ich noch nie gehört habe. Etwas orientierungslos streunen wir durch die Halle und lassen uns bei einem Stand prächtige Faksimile-Ausgaben mittelalterlicher Schriften zeigen. Hier dürfen wir die kostbaren Worte nun auch fühlen und werden aufgefordert, mit dem Finger über den prächtigen Golddruck zu streichen. Der Händler ist sichtlich begeistert von seinem Metier und kommt bei seinen Erklärungen fast ins Schwärmen. Christinas Frage, wer denn so etwas kaufen würde, wirkt da ernüchternd. 6000 Euro kostet das aufgeschlagene Buch im Ledereinband vor uns. Eigentlich schade finde ich im Nachhinein, dass wir die kostenlose digitale Zusendung der verfügbaren Einzelseiten ablehnen. Ich strebe weiter zu einem Sprachtraining mit einem Nachrichtensprecher in Halle 4. Der Vortrag hat bereits begonnen, als ich am Stand A401 ankomme, es sind aber noch einzelne Plätze frei. Der Redner berichtet etwas plakativ über den Medienkonsum im Kindesalter und präsentiert zahlreiche Studienergebnisse über die desaströsen Folgen.

Nicht nur die Gehirnstrukturen, auch die gesunde Entwicklung der Augen sei bei Kindern gefährdet, welche bereits im Kleinkindalter vor Tablet & Co sitzen. Am Ende des Vortrags merke ich, dass ich in der falschen Halle sitze und eile durch die Menschenmassen hinüber zu Halle 4, wo das Sprachtraining gerade geendet hat und Christina auf mich wartet. Wir gönnen uns einen Messekaffee und schlendern danach etwas ziellos weiter. Hier und da blättern wir bei einem Verlagsstand in einem Buch oder bleiben bei einer Lesung stehen. Ein bärtiger Autor hat scheinbar zuvor den Sprachkurs gegenüber besucht. Jedes einzelne Wort verdichtet er zu einem bedeutungsschweren Satzzentrum. Das Ende des zweiten Satzes können wir leider nicht mehr erwarten. Christina möchte in Halle 2 noch einen Comic-Band von Joscha Sauer erwerben. Auch ich kaufe ein Buch von ihm und wir reihen uns beide in die Schlange der zur Signatur Anstehenden ein. Zu zweit in einem guten Comic blättern, dessen Witz man oft erst auf den zweiten bzw. dritten Blick erfasst, ist eine sehr vergnügliche Angelegenheit, wie ich feststelle. Nebenan berichten Analphabeten von ihren Alltagserfahrungen. Da wird einem erst klar, wie unmittelbar unser Leben mit der Schriftsprache verwoben ist, ohne dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind.

In Halle 3 befinden wir uns plötzlich am buchstäblich rechten Rand der Aussteller. Aber auch diese Verlage haben ihren Platz in Pongs Komposition, ebenso wie die bewaffneten Polizisten, die ganz in der Nähe postiert sind. Zuletzt stöbern wir noch eine Weile in Antiquariats-Beständen, welche leider völlig ungeordnet in den Regalen stehen. „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ von Rainer Maria Rilke nehme ich mit. Auf der Rückfahrt blättere ich darin und lese über die wahre Schreibkunst: „Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluss, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind.“ „Zehn Zeilen, die gut sind“, das ist dann Pongs Melodie, denke ich, das Grundthema seiner Sinfonie.

Wilma Bärnreuther

 

Auch nach dem dritten Besuch infolge, hat die Leipziger Buchmesse mal wieder überzeugt. Es lohnt sich immer wieder aufs Neue –  man entdeckt immer wieder weitere Seiten der Messe, die einem vorher noch nicht aufgefallen sind. 

Michaela Wolkersdorfer, 10b

 

Wiederholungstäter auf der Leipziger Buchmesse

… das waren wir und es war wieder mal spannend und sehr, sehr schön.

Es begann wie üblich mit einer 3 ½ stündigen, kurzweiligen Busfahrt nach Leipzig. Der Messekatalog wurde ausgeteilt und alle Teilnehmer konnten ihre Favoriten studieren und Besuchstermine koordinieren. Manche Manga-Fans schminkten sich während der Fahrt sehr hübsch. Unser erster Besuchspunkt war die Lesung von Glenn Jäger, „In den Sand gesetzt“. Ein Buch, das über Katar und die Fußball-WM 2022 berichtet. Leider haben wir die 30-minütige Lesung nicht pünktlich aufsuchen können, doch Glenn Jäger signierte unser erstandenes Buch im Anschluss und wir konnten uns mit ihm hautnah unterhalten. Danach gingen wir zu einer Krimilesung, wo der Autor leider sehr leise sprach und wir bemerkten, dass der vorgestellte Text uns nicht so berührte.

Durch Zufall hatten wir die Möglichkeit im Anschluss eine sehr interessante Vorlesung über Konfliktlösungen von Claudia Riege zu verfolgen: „Vom Konflikt-Opfer zum Konflikt-Gewinner“, welche die Autorin kreativ und ansprechend gestaltete. Später schlenderten wir noch durch die Hallen, sahen diverse Aussteller und hörten uns Buchvorstellungen an. Leider hat uns die Zeit für den Besuch der Manga-Comic-Con-Halle gefehlt, dennoch konnten wir die vielen Cosplayer in ihren bunten Kostümen in den anderen Hallen bewundern. Wie die Jahre zuvor war es ein unterhaltsamer Tag mit vielen neuen Eindrücken. Recht herzlichen Dank für die professionelle Organisation von Frau Claudia Leder für das Gymnasium Wendelstein mit Unterstützung der Buchhandlung Kuhn aus Feucht.

Andrea Ebeling und Cedric Ebeling, 10e

 

Nachdem eine Veranstaltung dreimal stattgefunden hat, ist diese amtlich als Tradition eingestuft, so bei Kirchweihumzügen und gemeindlichen Festen. Man darf, auch wenn es sicherlich etwas übertrieben ist, die Fahrt zur Buchmesse nach Leipzig jetzt also offiziell als traditionell bezeichnen. Wie auch immer; es hat wieder Spaß gemacht, die Nachfrage war groß und die Stimmung gut. Die Zeit auf der Messe zu kurz und das Angebot an Literatur und Veranstaltungen riesig. Ich freue mich, dass so viele junge Menschen sich dafür begeistern. Das machen wir wieder, nicht um eine Tradition fortzusetzen, sondern weil es schön ist, und somit eben doch eine schöne Tradition.

Karl Kuhn

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Foto: Karoline Then 10e
Foto: Kristian Kaiser 10e
Foto: Michaela Wolkersdorfer 10b
Foto: Michaela Wolkersdorfer 10b
Foto: Michaela Wolkersdorfer 10b
Foto: Michaela Wolkersdorfer 10b