Bericht über einen Schüleraustausch im Rahmen des Brigitte-Sauzay-Programmes

Mein Name ist Lisa. Ich bin 14 Jahre alt und gehe in die 10. Klasse des Wendelsteiner Gymnasiums.

Nachdem ich mich für die französische Sprache und nach einem 10 tägigen Schüleraustausch auch für das Land total begeistern konnte, wurde ich in der 8. und in der 9. Klasse von meiner Französischlehrerin auf das Brigitte Sauzay Programm angesprochen. Für mich war auch sehr schnell klar, dass ich einen dreimonatigen Schüleraustausch machen wollte, lediglich bei meinen Eltern musste noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden. Doch schließlich stimmten auch sie zu.

Ein weiterer Grund, warum ich mich für einen Schüleraustausch mit Frankreich entschieden habe, war, dass er auf Gegenseitigkeit beruht. Dadurch gestaltet sich der Austausch relativ günstig. Außerdem kann man über das Brigitte Sauzay Programm unter bestimmten Voraussetzungen einen Fahrkostenzuschuss erhalten.

Über die Homepage des DFJW kann man einfach und unkompliziert nach einem Austauschpartner suchen. Entweder erstellt man selbst eine Anzeige und wartet auf Zuschriften oder, wie in meinem Fall, sucht sich in der Vielzahl an Annoncen ein Paar Kandidaten aus, die man dann per E-Mail kontaktiert.

Aus den rund acht angeschriebenen Kandidatinnen, konnte ich letztlich zwischen vier auswählen. Von da an ging alles relativ schnell. Es mussten lediglich noch die Genehmigungen der Schulen eingeholt werden und 4 Wochen später war meine Austauschpartnerin Eugénie schon da. Eugénie kommt von der Westküste Frankreichs, ist 16 Jahre alt und wurde von Ihren Eltern mit dem Auto gebracht. Was insofern ganz gut war, da sich so auch unsere Eltern kurz kennenlernen konnten. Eugénie blieb bei uns von Mitte April bis Mitte Juli. Sie besuchte mit mir in der Schule die selbe Klasse. Außerdem unternahmen wir mit Ihr an den Wochenenden Ausflüge wie z.B. Volksfest, zum Badesee, Hochseilgarten, Schloss Neuschwanstein, Bowling, Städte, Kirchweihen, Familienfeste etc.

Trotz unserer unterschiedlichen Charaktere verstanden wir uns ganz gut. Teilweise war es nur etwas schwierig, da meine Austauschpartnerin sehr ruhig und zurückhaltend war. Auch hätte ich mir gewünscht, dass Eugénie ein bisschen selbständiger gewesen wäre. Selber Kontakte geknüpft hätte, Vorschläge gemacht hätte, was sie gerne machen möchte oder mal alleine in die Stadt gegangen wäre etc.. 

Nachdem Eugénies Aufenthalt beendet war, blieben mir noch 2 Wochen bis meiner anfangen sollte. Die Vorfreude auf Frankreich war riesig, auch wenn es mir natürlich nicht leicht fiel von meiner Familie und Freunden Abschied zu nehmen. Am 3. August flog ich vom Münchner Flughafen ab, das erste Mal ganz alleine, was für mich bereits sehr aufregend war. Am Flughafen in Nantes wurde ich dann von der ganzen Familie herzlich begrüßt. 

Die Familie war kurz vor meinem Kommen in ein deutlich kleineres und älteres Haus in La Roche sur Yon umgezogen, das dazu erst spärlich eingerichtet war. Daher wurde meine Euphorie zunächst ein wenig gedämpft, allerdings habe ich mich dann relativ schnell an die neuen Räumlichkeiten gewöhnt. Außerdem hatte ich so den Vorteil, näher an der Schule und der Stadt zu wohnen. Somit war es mir möglich auch selbständig etwas zu unternehmen.

Ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt, da die Familie mich sehr offen aufgenommen hat und bemüht war, den Aufenthalt für mich so angenehm wie möglich zu gestalten. 

Glücklicherweise hatte ich die ersten vier Wochen meines Aufenthalts noch Ferien, was mir die Umstellung ein wenig erleichterte. Wir unternahmen gelegentlich Ausflüge, u.a. Puy du Fou und Futuroscope, zwei der größten und meist besuchtesten Freizeitparks in Frankreich oder verbrachten unsere Zeit an den vielen nahe gelegenen Stränden. 

Am 5. September begann in Frankreich das Schuljahr und die schöne Zeit war damit leider vorbei, da der Schulalltag sich doch als sehr anstrengend erwies. Ich ging mit Eugénie in die 1 ière des Lycées, was in etwa der 11. Klasse unseres Gymnasiums entspricht. Das Schulgebäude war ein sehr alter Bau, der eher an ein Gefängnis als an eine Schule erinnerte. Es war sehr beengt und nicht gerade modern eingerichtet.

Zu Beginn wurde uns der Stundenplan ausgehändigt, der nicht nur für mich sehr verwirrend war. An vier Tagen der Woche hatten wir bis ca. 17 Uhr Unterricht, doch die Fächer variierten teilweise von Woche zu Woche. In der einen Woche „Deutsch“ in der nächsten „Englische Literatur“, dann an dem einen Tag in der 3. Stunde eine Freistunde und in der darauffolgenden Woche in der 5. Stunde. Dann war in der Regel am Donnerstag die ersten beiden Stunden für den Klassenlehrer reserviert, außer es wurden Test geschrieben, oder, oder, oder … . Im Gegensatz zum deutschen Schulsystem gab es auch eine „PSE“- Doppelstunde die zur eigenständigen Projektvorbereitung genutzt wurde.

In einigen Fächer wie Mathe, Englisch, Naturwissenschaften und Französisch konnte ich gut dem Unterricht folgen und auch aktiv mitarbeiten. Andere Fächer wie z.B. Erdkunde und Geschichte fielen mir etwas schwerer, da doch einige mir vollkommen unbekannte Fachausdrücke verwendet wurden und die Lehrer kaum Notizen an die Tafel machten.

Die Lehrer und Mitschüler haben mich zwar freundlich aufgenommen, trotzdem tat ich mir teilweise etwas schwer Anschluss zu finden. Durch die ständig wechselnden Kurse waren immer wieder neue Schüler um einen rum und auch Eugénies Freundinnen waren mir gegenüber eher reserviert.

Was ich aber richtig toll und hilfreich fand, war, dass für alle Austausch- und Gastschüler ein monatliches Treffen veranstaltet wurde. Es gab ca. 8 Schüler und Schülerinnen am Lycée die für einen Austausch zwischen 3 Monate und 2 Jahre da waren und aus den verschiedensten Ländern kamen ( z. B. Schweiz, Ungarn, Australien, Schottland etc.) Ich fand es interessant zu hören aus welchen Beweggründen die anderen nach Frankreich gekommen waren,  welche Erfahrungen sie bisher gemacht hatten und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten.

Bei den Treffen war außerdem ein Verbindungslehrer, M. Morris anwesend, der mit Rat und Tat zur Seite stand. M. Maurice war sehr nett und mit zwei der Mädchen aus dem Kurs habe ich mich näher angefreundet und auch privat ab und zu mal etwas unternommen.

Mit der auffälligste Unterschied zwischen der deutschen und der französischen Kultur ist zweifelsfrei das Essen. Während wir bei uns zu Hause erstmal ausreichend Frühstücken, warm zu Mittag essen und es abends meist nur noch ein Abendbrot gibt, herrschen in Frankreich andere Zustände. Gefrühstückt wird sehr unterschiedlich. Manche trinken nur eine große Tasse Kakao, andere frühstücken relativ normal, aber Mittags und Abends gab es immer warm und immer mindestens 3 Gänge. Das Baguette mit viel Butter durfte dazu auch nie fehlen. Überhaupt wundert mich, dass die Franzosen nicht alle dick und rund sind, bei der Menge an Butter, Mayonnaise, Sahne, Käse und süßem Gebäck. Auch die Zusammenstellung mancher Speisen war sehr seltsam. So gab es zum Beispiel einmal eine Tomatentarte mit Chevre und Honig oben drauf. Insgesamt war das meiste aber recht gut nur eben viel  zu viel.

Durch die Schule, den Alltag, Filme und  Fernsehen schauen, sowie französische Bücher lesen hat sich mein Verständnis und mein Wortschatz merklich verbessert. Vor allem der Gebrauch von „Redewendungen“ und das immer spontanere reden ohne länger nachdenken zu müssen ist ein großer Gewinn.

Mein Fazit aus dem Austausch ist überwiegend positiv und ich würde es jederzeit wieder machen. Der Auslandsaufenthalt von 3 Monaten war für mich zeitlich gesehen optimal. Es gab Momente in denen ich gerne noch länger geblieben wäre, aber auf der anderen Seite habe ich mich auch sehr auf zuhause, meine Familie und Freunde gefreut, die ich doch sehr vermisst habe. Eventuell wäre es für meine sprachliche Weiterentwicklung noch besser gewesen, wenn ich während des Auslandsaufenthaltes den Kontakt nach Deutschland (Telefonate, Whatsapp, Snapchat) mehr eingeschränkt hätte, auf der anderen Seite tut es aber einfach der Seele gut von den Anderen zu hören. Gut fand ich auch, dass Jeder von uns ein eigenes Zimmer hatte, so dass ich mich auch mal zurückziehen und meine Ruhe haben konnte.

Vom Zeitpunkt her fand ich es okay. Der Austauschpartner der zum Ende eines Schuljahres in Ausland fährt hat aber eindeutig die besseren Karten, da er nicht mehr für die Schule zuhause lernen muss. Also zumindest für Eugénie war das Schuljahr bereit gelaufen und auch an unserer Schule wurden keine großen Anforderungen an Sie gestellt. Wohingegen es für mich doch sehr stressig wurde. Mit Beginn des neuen Schuljahres musste ich mich mit dem Schulstoff zuhause vertraut machen und trotzdem wurde meine volle Aufmerksamkeit in der französischen Schule gefordert, die dazu noch lange dauerte und kaum Freizeit bot. 

In Bezug auf meine Schule hätte ich es besser gefunden, wenn nach meiner Rückkehr eine einheitliche und absehbare Vorgehensweise stattgefunden hätte. Es gab eine Lehrerin, bei der ich eine Schulaufgabe nicht hätte mitschreiben müssen, da ich ja den meisten Stoff nicht mitbekommen habe und mich erstmal wieder einleben sollte. Allerdings gab es dann aber auch Fächer, in denen ich Test nachschreiben oder sehr kurzfristig Präsentationen abhalten musste, was ich als sehr willkürlich empfunden habe. Insofern kann ich nur Jedem raten, sich vorher ausgiebig zu informieren und sich dies schriftlich bestätigen zu lassen. Die Aussage, die mir im Vorfeld gemacht wurde und auch auf dem Info-Abend kommuniziert wurde, nämlich dass keine Tests nachgeschrieben werden müssen, ist zumindest in meinem Fall falsch. Auch fand ich es sehr schade, dass von meinen Lehrern keinerlei Informationen bzw. Zusammenfassung zur Verfügung gestellt wurde und ich nur auf die Mithilfe meiner Klassenkammeraden angewiesen war.

Lisa Lehnert, 10b

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