Musikalisches Winter Wonderland

Unter den vielversprechenden Vorzeichen der inzwischen schon zur guten Tradition gewordenen Wendelsteiner Weihnachtskonzerte luden die rührigen Schulmusiker/innen des Gymnasiums zu zwei abwechslungsreichen Veranstaltungsabenden ein, die den Zuhörern ein im rundum positiven Sinne verspieltes Programm und damit einen perfekten Einstieg in die herannahenden Weihnachtsferien präsentierten.

Schulleiter Johannes Novotný, der schon im Vorfeld der Veranstaltungen immer wieder Zeuge der umfangreichen Probenarbeiten geworden war, stellte dem Publikum in seiner Begrüßung einen „spannenden, unterhaltsamen und anregenden Konzertabend“ in Aussicht und musste sich am Ende desselben dafür dann auch in keinster Weise Lügen strafen lassen. Ankündigung, Einladungsplakate und Programmhefte (Gestaltung durch Arian Rose, Q11) kamen diesmal im winterlich verschneiten Weihnachtskioskgewand daher und eröffneten damit zuschauerseitig den Erwartungshorizont in Richtung eines wohl abgemischten Programms aus musikalisch vielseitigen und die Weihnachtsfeiertage stimmungsvoll einläutenden Elementen.

Die Moderation des Abends oblag erstmals Schüler(inne)n der Oberstufentheatergruppe, die mit viel Ideenreichtum und schauspielerischem Elan durchs Programm führten.

Nach dem nochmaligen Aufruf zur Beteiligung an der Weihnachtspaketaktion der Schule wurde der musikalische Teil des Abends mit der Ballad of the Goddess (Skyward Sword) vom Großen Orchester der Schule mit Klängen eröffnet, die Assoziationen zum Videospiel Zelda wachriefen und gleichzeitig auch als quasi zeitlose Jugendhymne gelten dürfen.

Für weniger adventureaffine Ohren ging es mit einem Beitrag des Kammerorchesters und Antonio Vivaldis L`inverno: II. Adagio weiter, das für so manch einen wohl die Ode an den Winter schlechthin darstellt.

Nach einem einladenden Werbeblock des P-Seminars Musical für seine eigene musikalische Abendveranstaltung übernahm das Musical-Orchester dann auch sogleich die Regie, um den Zuhörern einen ersten Eindruck davon zu bieten, was sie an den beiden Musical-Abenden am 24. und 25. März so alles in der Wendelsteiner Aula erwarten wird. In Exposed: I. Ouvertüre wechselten sich klassische Klänge gekonnt mit elektronisch unterstützten ab und Trompeten, Querflöten, E-Gitarren und zahlreiche weitere Instrumente gingen eine quasi überzeitliche Symbiose ein, die wohl so manch einen Konzertgänger vom Fleck weg auch gleich für den Musicalbesuch gewonnen haben dürfte.

Die schneeweißen Oberteile und glockenhellen Stimmen des Unterstufenchors gaben große Teile ihres Glanzes im nächsten Beitrag auch ans Publikum weiter und ließen die Aula mit dem traditionellen englischen Weihnachtslied The First Nowell erstrahlen, das die Geburt Jesu besingt.

Die Percussion-Anfänger kündigten ihren Beitrag aus dem Bereich der Minimal Music mit drei kleinen Sternspeiern als Bühnenrequisiten zunächst auch eher minimalistisch an, um dann jedoch in ihrem versierten und hochkonzentrierten Beitrag zu Höchstformen aufzulaufen. Der Eindruck dieses auch titelgebenden – und im Gegensatz zu den Sternspeiern klanglich kein bisschen schnell verglühenden – Dreigestirns wirkte noch lange nach.

Das Blockflöten-Quartett der Schule stellte in Telemanns Concerto in G-Dur: I. Adagio & II. Allegro einen überaus souveränen Umgang mit einem Instrument unter Beweis, das landauf landab aus vielen Kinderzimmern tönt, aber nur selten so gut und zur Freude der Zuhörer beherrscht wird wie von den vier Unterstüflerinnen Julia und Anna Bärnreuther, Lucie Scharf und Lina Meiers.

Musiklehrerin Christiane Modes stellte sich der musikalischen und koordinatorischen Herausforderung gleich zweier klassenübergreifender Gesangsbeiträge und brachte mit The Lion Sleeps Tonight und The Twelve Days of Christmas Songs auf die Bühne, die den Schüler(inne)n der Klassen 7b, 7c und 7d ein Höchstmaß an Vorbereitungs- und Aufführungsdisziplin abverlangten. Den schlummernden Löwen hätten sie mit ihrem beherzten Vortrag wohl auf jeden Fall zum Öffnen seiner Augen und vor allem auch seiner Ohren bewegt und bei den Twelve Days of Christmas war nicht nur das Zuhören sondern auch das zum Schmunzeln und Mitfiebern anregende Verfolgen der intrikaten Choreographie eine wahre Zuschauerfreude.

Den Weg in Richtung Pause bereitete dem Publikum das Saxofon-Quartett mit dem Vortrag des als Eurovisions-Fernseh-Fanfare bekannten Preludes von Charpentier. Mit den Klängen von We Wish You a Merry Christmas noch im Ohr machten sich die zahlreich gekommenen Konzertbesucher auf in Richtung des Weihnachtskioskbereichs, der vom Wahlkurs Catering und zahlreichen P-Seminaren mit viel Liebe zum Detail und unter ebenfalls weihnachtlichen Vorzeichen gestaltet worden war. Licht- und Tontechnikern, dem Bühnenumbauteam und den zahlreichen Helfern vor, auf und hinter der Bühne war damit ebenfalls eine kurze Verschnaufpause im Konzertrubel vergönnt. Noch längst nicht durchatmen konnten an dieser Stelle des Abends jedoch sowohl die Akteure der zweiten Konzerthälfte als auch die für die Gesamtkonzeption der Abende gewohnt professionell verantwortlich zeichnenden Wendelsteiner Schulmusiker Christoph Heinlein, Susanne Schoch und Tobias Freund.

Der zweite Teil des Abends wurde von der Rockband der Schule eröffnet, die diesmal in besonders sympathischer Weise Schüler/innen von der 5. bis zur 12. Klasse auf der Bühne vereinte. Bei den Klassikern Nothing Else Matters und Shake Up Christmas wechselten die Bandmitglieder zudem immer wieder geschickt die Instrumente und die Rollen und erzielten als kleine, mittelgroße und schon fast erwachsene Christmas-Rocker einen riesigen Applaus.

Der in seiner Mitgliederzahl wieder deutlich gewachsene Lehrerchor ließ – unter Klavierbegleitung von Thomas Scherzer – mit This Little Light of Mine nicht nur ein kleines musikalisches Lichtlein auf der Bühne erglimmen.

Die Fortgeschrittenen Percussionisten bescherten dem Publikum mit Play piano play: Allegro dolce ein gewohnt fulminantes und dennoch jedes Mal aufs Neue beeindruckendes Hör- und Seherlebnis und traten en passant den Beweis dafür an, dass es für gute Musik keineswegs des im Titel benannten Pianos bedarf.

Der Mittel-/Oberstufenchor präsentierte mit Suo Gan ein walisisches Wiegenlied und sandte mit Didn`t my Lord deliver Daniel afroamerikanische Gospelklänge durch die Aula. Begleitet wurden die stimmgewaltigen Chor- und Solosänger/innen dabei von Cara Auernheimer und Marleen Blum (beide Q11) am Klavier.

Die Big Band bereitete der Veranstaltung mit I don`t know how to love him aus dem ebenfalls weihnachtsleitmotivisch zu deutenden Jesus Christ Superstar einen mehr als passenden Abschluss und eröffnete mit Surfing USA von Chuck Berry gleichzeitig einen Blick auf den dann doch irgendwann wieder zu erwartenden Sommer, an dessen Höhepunkt wiederum ein Wendelsteiner Schulkonzert stehen wird.

Als die letzten Töne in der Aula verklungen, die „Beach Boys“ von ihren Skateboards geklettert und die Nikolausmützen von den vom Vortrag noch ordentlich erhitzten Häuptern gestreift waren, war es dann auch für die drei Hauptorganisator(inn)en des Konzerts an der Zeit die kurzweilige Fahrt durch den Abend für beendet zu erklären und glücklich und hoch zufrieden auf alles Geschaffte und Geschaffene zurückzublicken. „Oh youth, guided by the servant of the goddess, unite earth and sky, and bring light to the land.“ Dieses anfangs implizit in der Ballad of the Goddess formulierte Versprechen ist im Rahmen der Konzertabende auf jeden Fall einmal mehr und im vollen Umfang eingelöst worden. ?

Mirjam Müller 

Fotos: Arian Rose, Lukas Breitenmoser

 

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