Wendelsteiner Sommerkonzerte: „Musik ohne (Generationen-) Grenzen“

Die beiden Sommerkonzerte 2019 standen in gleich mehrfacher Hinsicht unter den Vorzeichen eines ersten größeren Schülergenerationenwechsels am Gymnasium Wendelstein, der alle Beteiligten zu einem besonders engen Zusammenspiel und musikalischen Höchstleistungen inspirierte.

 

Bereits die im doppelten Wortsinne einladenden Plakate und Programmhefte zu den Veranstaltungen (Gestaltung: Melissa Harrer Q12) weckten zuschauerseitig große Vorfreude auf einen Konzertabend voller knallig kolorierter Knospen- und Tonblütenwirbel.

 

Die inzwischen Tradition gewordene Ansage, die die Zuhörerschaft auf den Beginn der SOKOs einstimmt, wurde mit „Erfinder“ Max Dettenthaler und einem stimmlich zunächst kaum zu entlarvenden Philipp Gstaltmeyr erstmals von ehemaligen Schülern der Schule und erstmals auch in Dialogform vorgetragen. Wilhelm Busch kam mit seinem despektierlichen „Es ist die Länge der Gesänge zu lang für meines Ohres Länge“ zwar an dieser Stelle ebenfalls kurz zu Wort, wurde vom weiteren Konzertverlauf dann jedoch eindeutig Lügen gestraft.

 

Schulleiter Dr. Johannes Novotný zeigte sich über den im Bereich der musikalischen Arbeit am Gymnasium Wendelstein so geschmeidig und kooperativ über die Bühne gehenden Schülergenerationenwechsel ebenfalls sehr erfreut und verwies auf die Beteiligung ehemaliger Schüler/innen auch an den konzertvorbereitenden Musiktagen in Kloster Strahlfeld.

 

Musikalisch eröffnet wurde das Sommerkonzert 2019 mit zwei Orchesterbeiträgen – I. Das Meer und Sindbads Schiff; II. Fest in Bagdad. Das Meer. Der Schiffbruch. – aus Sheherazade, die die Wendelsteiner Aula im Handumdrehen in einen Ort aus Tausendundeiner Nacht verwandelten und dank der orchestrierten Gruppenversiertheit und des Violinsolos von Josephine Bail (Q12) alles andere als musikalischen Schiffbruch erlitten. Als zweiten Beitrag lieferte das Orchester mit Schindlers Liste eine kritisch mahnende musikalische Reminiszenz an die Besetzung Polens durch deutsche Truppen im Spätsommer 1939.

 

Weniger nachdenkliche Töne konnten danach durch die Percussion Anfänger der Unterstufe mit ihrer African Fantasy angeschlagen werden. Der couragierte und sichtlich gut gelaunte Einsatz von Trommeln und Holzstäben erinnerte tatsächlich an eine gut eingespielte Stammesversammlung, auf der es mal laut, mal leise, aber dennoch stets taktvoll zugeht.

 

Das Duett aus dem Spirituoso-Intro von Pergolesis Flötenkonzert in G-Dur bestritten Jiaran Li aus der 9. Jahrgangsstufe und der Musiklehrer und Cello-Virtuose Christoph Heinlein titelankündigungsgemäß geistvoll und lebendig.

 

Mit Anytime you Need a Calypso unter Leitung von Judith Fuchs brachte der Unterstufenchor einen Wendelsteiner Konzertbühnenklassiker zu Gehör und aus den dort heraufbeschworenen karibischen Gefilden ging es unter der Reiseleitung von Tobias Freund dann auch gleich weiter an die „bonnie, bonnie banks of“ Loch Lomond am Rande der schottischen Highlands. Mit Shotgun hat George Ezra seiner eigenen Reiseleidenschaft einen ganzen Song gewidmet und die Sänger/innen des Unterstufenchors sowie die Solistinnen und Solisten Helene Korczmarek (6b), Alexandra Lazic (7c), Helena Braun (7b) und Emma-Sophie König (5a) beschworen mit ihrer rundum überzeugenden Interpretation dieser Fernweh-Nummer einen wahren Großapplaus unter Einsatz von zahlreichen Zuschauerhänden und -füßen herauf.

Als perfekt aufeinander eingespieltes Duo der feineren und leiseren Töne präsentierten sich Finn Heilig (7a) und Christoph Heinlein bei Brevals Cellosonate in C-Dur.

 

Ihren Beitrag Minimal Shape hatten die Mitglieder der Percussion Fortgeschrittenengruppe auf den Musiktagen unter Anleitung von Julia Schmidt (10d) und Nils Albrecht (Q12) in kompletter Eigenregie komponiert. Zu hören bekam das Publikum an dieser Stelle des Konzertabends ein wahres Meisterwerk der Bodypercussion, was dazu führte, dass Minimal Shape am Ende einer hochkomplexen Darbietung von den Zuschauern maximalen Applaus erhielt.

 

Der Lehrerchor unter Leitung von Tobias Freund bereitete mit seinen beiden Songs An hellen Tagen und Weit, weit weg den Weg zur Pause und entließ das Publikum dorthin mit ganz viel Hunger nach mehr.

Die P-Seminare „Brotofen“, „Cocina Latinoamericana“ und „Musical“ kümmerten sich zusammen mit dem Wahlkurs Catering in der 20-minütigen Pause um die Bewirtung der Konzertbesucher im angenehm schattigen Innenhof des Gymnasiums.

 

Grünes Licht für die zweite Hälfte der Konzertabende signalisierte der Auftritt der Rockband und es waren nicht nur die „Evergreens“ Caro Betz und Max Dettenthaler im Verbund mit Marlin Nixdorfs grüner Brille, die als Eye- und Ear-Catcher mit In too deep und Don`t Gimme That von The Boss Hoss gleich wieder alle Schalter auf ein musikalisches „GO!“ umlegten.

 

Einen beinahe „echten“ Frank Sinatra brachte Philipp Gstaltmeyr mit seinem beherzten und stimmgewaltigen Vortrag von Love`s Been Good to me auf die Bühne. Klavierbegleitet wurde er dabei durch den kurzfristig als Ersatzmann eingesprungenen Nils Albrecht, der sich die anspruchsvolle Notation binnen weniger Stunden intensiven Übens in beeindruckender Weise ins Repertoire geschafft hatte.

 

Der von Leon Redeker (Q12) und Marleen Blum (10d) am Klavier begleitete Mittel- und Oberstufenchor beeindruckte die Zuhörerschaft zunächst mit A Million Dreams aus The Greatest Showman und Sologesangseinlagen von Daniel Lessing (9a) und Alexander Pruy (Q11). Beim darauffolgenden Start a Fire entsprach dann nicht nur die Kleidung der Chormitglieder einem lodernden und strahlenden Gesangsflammenmeer aus Gelb-, Schwarz- und Rottönen, aus dem Richard Maier (Q11) und Luca Vitalini (Q11) als Solisten besonders hell herausragten.

 

Die Bigband besang in Shake, Rattle and Roll die Bedeutung des Zur-richtigen-Zeit-am richtigen-Ort-Seins beim Glücksspiel und nahm damit ein Motto auf, das in Teilen sicherlich auch für ihren nächsten Song One Moment in Time, die Hymne der Olympischen Spiele in Seoul 1988, als sehr zutreffend gelten kann. Den dringenden Bitten des Publikums nach einer Zugabe ließ die Big Band dann noch das Muppet Show Theme folgen.

 

Den musikalischen Reigen des Abends beschloss die Fortgeschrittenengruppe der Percussionisten mit ihrem schwungvoll und pointiert vorgetragenen Congo Pop, womit jedoch diesmal noch keineswegs das Ende der Veranstaltung markiert war. Das Sommerkonzert 2019, das gut unter dem Motto „Generationenwechsel“ hätte stehen können, zeichnete nämlich im Beisein aller Zuschauer noch langjährig treue Mitglieder und engagierte Mitgestalter/innen des musikalischen Lebens am Gymnasium Wendelstein aus, die für ihre Leistungen und Dienste in den verschiedensten konzertumgebenden Bereichen gewürdigt wurden. Namen wie Nils Albrecht, Josephine Bail, Carolin Betz, Max Dettenhaler, Philipp Gstaltmeyr, Maximilian Hanstein, Leon Redeker, Antonia Singer und Rebecca Wagner werden den Konzertbesuchern sicherlich noch länger in Erinnerung bleiben und es bleibt abzuwarten, wie lange sich die Verabschiedeten tatsächlich von der Wendelsteiner Konzertbühne werden fernhalten können, bevor die Erinnerung an ihr langjähriges erfolgreiches Wirken sie in der einen oder anderen Rolle wieder dorthin zurückführt.

 

Moderiert wurden die Konzertabende mit Daniel Lessing (9a) und Isabelle Geyer (8d) von einem neuen Ansageteam, das sich in seiner Rolle jedoch sehr schnell zurechtfand und nach ein wenig Anfangsnervosität auch sichtlich wohl fühlte. Ins rechte Licht gerückt wurden alle Bühnenakteure von den allzeit einsatzbereiten Beleuchtungs- und Tontechnikern der Schule (Leitung: Stephan Heim). Den Weg für alle Musiker/innen reibungslos freizumachen geholfen hat einmal mehr das zupackende Wendelsteiner Bühnenumbauteam.

Der hochprofessionellen, unermüdlich im Einsatz befindlichen und perfekt aufeinander eingespielten musikalischen Leitung beider Abende, namentlich Christoph Heinlein, Susanne Schoch und Tobias Freund, ist mit den SOKOs 2019 einmal mehr das gelungen, was Schulleiter Novotný als die „Meisterleistung“ bezeichnet hat, „Schule in einen inselartigen Wohlfühlort jenseits von Noten und Schuljahresendstress zu verwandeln“ und einmal mehr auch einen Wilhelm Busch und seine musikkritischen Aphorismen Lügen straft: „Musik ist angenehm zu hören, doch ewig braucht sie nicht zu währen“. Des hierzu im Rahmen der Sommerkonzerte erbrachten Gegenbeweises absolut sicher können sich somit schon jetzt alle musikalisch Mitwirkenden, alle Ehemaligen, alle Zukünftigen wie überhaupt alle Musikbegeisterten auf ein Wiedersehen und vor allem ein Wiederhören bei den beiden Wendelsteiner Weihnachtskonzerten 2019 freuen.

 

Mirjam Müller

 

(Fotos: Jonas Graubner und Lukas Breitenmoser)

 

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