„Let My Light Shine Bright“: Sommerkonzerte mit großer musikalischer Strahlkraft

Unter dem gemessen am dargebotenen Programm minimalistisch ausgelegten Titel „Sommerkonzert 2017“ luden die zahlreichen musikalischen Akteure am Gymnasium Wendelstein im Juli zu zwei Konzertabenden der akustischen und atmosphärischen Extraklasse ein und stimmten das Publikum fulminant und mitreißend auf die unmittelbar bevorstehenden großen Ferien ein.

Die Wendelsteiner Sommerkonzerte stellen seit der Eröffnung des Gymnasiums eine feste Größe im jährlichen Schulkalender dar und bedürfen im Vorfeld jeweils keiner größeren Ankündigung mehr, um Schulfamilie und interessierte Öffentlichkeit wiederkehrend und in großer Anzahl an Ort und Stelle zu versammeln. Das von Kunstlehrerin Ulrike Schall aufwändig gestaltete Cover des Programmhefts transponierte das Gymnasium Wendelstein diesmal vor eine sommerlich-einladende Berg- und Seenkulisse mit strahlend blauem Himmel und knallbunten Sonnenschirmen. Vorfreudige Erwartungen von erfrischender Abwechslung über entspannende Genießermomente bis hin zu Sommerlaune pur waren zuschauerseitig schnell geweckt und wurden im Verlauf der beiden Abende auch allesamt mehr als erfüllt.

Das jugendliche Moderatorenteam, bestehend aus Max Dettenthaler und Caroline Betz aus der 10. Jahrgangsstufe, verstand es das Publikum kurzweilig und treffsicher durch das facettenreiche Programm zu führen, dessen konzeptionelle Zielsetzung schnell vermittelt war: Die Wendelsteiner Musiker luden ihre Zuhörer auf eine akustisch inspirierende Sommerferienreise mit Aufenthalten an ganz verschiedenen Orten dieser und auch anderer Welten ein.

Seinen Anfang nahm der musikalische Roundtrip im fernen Afrika. Die Jüngeren der Percussionisten eroberten mit dem Stück „Jye djali“ als namensgebende „djalis“ („Stammeshäuptlinge“) die Bühne und lieferten dabei einen stil- und taktsicheren Einstieg in den Abend ab. Herbeigerufen durch die jugendlichen Percussion-„djalis“ begrüßten auch die eigentlichen „Stammeshäuptlinge“ der Schule in Person des Schulleiters bzw. seiner Stellvertreterin das Publikum zu einem Abend voller musikalischer Neu- und Wiederentdeckungen.

Die hereinbrechende Abendstimmung in ihren zunächst eher melancholisch-nachdenklich anmutenden Nuancen wurde in der III. Nocturne aus dem Israeli Concertino von George Perlman eingefangen und von Katharina Stengel aus der 6. Jahrgangsstufe an der Violine und Musiklehrer Christoph Heinlein am Violoncello auf äußerst eindrucksvolle Weise zum Klingen gebracht. Der von Tobias Freund und Christina Steinberger geleitete Unterstufenchor schlug mit seiner Stückeauswahl im Folgenden durchgehend lichte und luftige Sommertöne an und nach The Days und Lazing in the Summer Sun standen bereits an früher Stelle des Konzertabends alle Zeichen auf Entspannung und Sommerferienlaune. Der Titel des dritten Songs Let My Light Shine Bright vermittelte die musikalische Strahlkraft des Auftritts quasi leitmotivisch und gleichzeitig mottogebend auch für alle anderen Darbietungen des Abends.

Als nächstes wurde zwei klassischen deutschen Urlaubs- und Sehnsuchtsorten Rechnung getragen: Lea Wößner aus der 6. Jahrgangsstufe gab mit Baroque Flamenco in einer beeindruckenden Standalone-Performance auf der Harfe farbenprächtig-energische Klänge aus Andalusien zum Besten und holte sich dafür einen entsprechend feurigen und langanhaltenden Applaus des Publikums ab. Von Spanien ging die Reise direkt weiter nach Italien, genauer gesagt nach Venedig, an die Wirkensstätte Antonio Vivaldis. Aus seinem Concerto in a-moll RV 356 trugen Franziska Beie an der Violine und Musiklehrerin Christina Steinberger am Klavier das I. Allegro mit großer Souveränität vor.

Während die fortgeschrittenen Percussionisten unter der Leitung von Susanne Schoch in Funky Cajons Obstkisten in perkussiv hybride Instrumente verwandelten, saß die Big Band im darauffolgenden Programmpunkt auf sprichwörtlich gepackten Koffern und tauchte die Bühne optisch und auch klanglich in ein sommerlich-kräftiges Abendrot. Big-Band-Klänge zählten bislang zu den am Gymnasium Wendelstein noch eher unbekannteren Tönen, jedoch waren nach Woodchopper`s Ball und My Funny Valentine die Wendelsteiner Bläser- und auch so manche Laienherzen schnell gewonnen. Mit dem anschließend dargebotenen Watermelon Man gelang der Big Band zudem auch die gedankliche Einstimmung auf die in der Pause von den Wahlkursen Kochen und Catering dargereichten Stärkungen und Erfrischungen.

Den zweiten Teil des Konzertabends eröffnete das Schulorchester mit einer heiter-lebenslustig gestimmten „Bruder-Jakob“-Persiflage aus Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1. Dass sich das Wendelsteiner Orchester auch auf ernstere Töne und die rundum überzeugende Darbietung bekannter Soundtracks versteht, wurde beim Vortrag des „Game of Thrones“-Themes so eindrücklich deutlich, dass die Hörerlebnisreise so manch eines Gastes noch um entsprechende Zwischenstopps in den Fantasiewelten der Kontinente Westeros und Essos erweitert werden konnte.

Ebenfalls neue (Hör-)Welten erschlossen sich dem Publikum im Percussion-Stück Hommage à Steve Reich, das für viele der Anwesenden eine Art Erstbegegnung mit dem Konzept der „Minimal Music“ dargestellt haben dürfte. Die fortgeschrittenen Percussionisten warteten mit ungewöhnlichen Patterns, wechselnden Geschwindigkeiten, rhythmischen Verschiebungen und unerwarteten Wendungen auf und verschafften vielen der Anwesenden dadurch ein erst- und einmaliges Hörerlebnis.

Die Band trat diesmal mit gleich drei gut aufeinander abgestimmten Lead-Sängern (Philipp Gstaltmeyr, Caroline Betz und Jana Köhnlein) auf und griff mit House of the Rising Sun, I Want it that Way und Another Brick in the Wall drei moderne Klassiker auf, in die das Wendelsteiner Publikum wie bereits (Schüler-)Generationen vor ihnen bereitwillig mit einstimmte.

Auf den Boden des eher gemäßigten, dafür jedoch rezeptiv hochkarätigen Musikgenusses führte Fabian Menzl aus der 10. Jahrgangsstufe die Zuhörerschaft mit seinem Klavierstück Skyfall aus dem gleichnamigen James Bond Film zurück. Der Mittel- und Oberstufenchor ließ zur Klavierbegleitung von Nils Albrecht mit The Hanging Tree musikalisch eingängige und trotz des dystopischen Filmsettings zum Mitpfeifen anregende Reminiszenzen an die Tribute von Panem anklingen.

Ihren Abschluss fand die musikalische Reise in Ägypten mit Klängen aus AIDA. Klavierbegleitet von Kilian Langenhorst aus der Q11 bot der von Susanne Schoch auf beeindruckend hohem Niveau geleitete Mittel- und der Oberstufenchor Every Story is a Love Story und Fortune Favors the Brave dar und setzte dem Konzertabend mit der vollen Stimmgewalt seiner Akteure einen würdigen und noch länger in den Köpfen der Zuhörer nachhallenden Schlusspunkt.

Tatkräftig unterstützt und begleitet wurden Ensembles, Chöre, Solisten und Band bei beiden Veranstaltungen auch diesmal wieder von einem dank langjähriger Zusammenarbeit perfekt aufeinander eingespielten Assistenzteamreigen, der sich beispielsweise aus den Licht- und Tontechnikern, dem Bühnenumbauteam oder auch den beiden Schulhausmeistern zusammensetzt und der inzwischen ebenfalls zu den guten alten bekannten Größen regelmäßig wiederkehrender Wendelsteiner Konzertbesucher gehören dürfte.

Für den choreographisch fein nuancierten und musikalisch nachhaltig strahlkräftigen Ablauf der Abende zeichneten wiederum die in dieser Runde um Christina Steinberger ergänzten Musiklehrkräfte Tobias Freund, Christoph Heinlein und Susanne Schoch verantwortlich, deren Geschick und Professionalität in Sachen Stückauswahl, Programmgestaltung und Vorbereitung der Schüler/innen im Landkreis und noch weiter darüber hinaus ihres Gleichen suchen dürften. Eine über das Normalmaß hinaus intensivierte Leistungssteigerung und synergetische Talentbündelung seitens der Akteure haben sicherlich auch diesmal wieder die vom Förderverein der Schule finanzkräftig unterstützten Musiktage ermöglicht, bei denen alle Mitwirkenden die Gelegenheit hatten, als musikalische Gemeinschaft zusammenzufinden und sich gezielt und konzentriert auf ihren gelungenen Beitrag zum Konzertabend vorzubereiten.

Die schon längst zur Institution mit Qualitäts- und Gütesiegel gewordenen Sommerkonzerte am Gymnasium Wendelstein sollen im Schuljahr 2017/18 erstmals um ein entsprechendes Weihnachtskonzertangebot erweitert werden, dem das Publikum nicht zuletzt auf Grund der verkürzten Wartezeit bereits jetzt überaus gespannt und vorfreudig entgegenblicken darf.

Mirjam Müller

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