„SOKO 2018 Wendelstein“

Eine Schule auf erfolgreicher Jagd nach musikalischen Highlights

Auf der Zielgeraden des Schuljahres 2017/18 luden die Musiker/innen des Gymnasiums Wendelstein die Schulfamilie zu zwei tempo-, energie- und abwechslungsreichen Veranstaltungsabenden ein, die den wiederum sehr zahlreich erschienenen Zuhörern einen beschwingten Einstieg in die Sommerferien bereiteten.

Bemessen an der inzwischen sechsjährigen Schulgeschichte wurde die Zuhörerschaft in beinahe schon klassischer Weise zunächst von den Percussion-Anfängern willkommen geheißen, die mit ihren African Beats den Konzertabend so wie auch die letzten (Schul-) Stunden vor den Sommerferien eintrommelten. Dabei stand den in die Landesfarben verschiedener afrikanischer Regionen gewandeten Unterstüflern die gute Sommerlaune, die sie zu verbreiten auf die Bühne getreten waren, förmlich ins Gesicht geschrieben.

In seiner Begrüßung bemühte Schulleiter Johannes Novotný für die in den Sommerkonzerten zusammenfließenden Schülerenergien das Bild des Schlussspurts, auf den die musikalischen Akteure über lange Wochen und Monate hintrainiert hatten. Gleichzeitig entrichtete er seinen Dank auch an alle im erweiterten Umfeld der Konzerte Mitwirkenden (Plakatgestalter, Licht- und Tontechniker, Bühnenumbauer, Caterer, Schulhausmeister und Co.), ohne die ein sicheres Überschreiten der Ziellinie sicherlich nur weitaus weniger kräfteverträglich möglich gewesen wäre. Danach übergab er den Stab an das bewährte Wendelsteiner Schülermoderatorenteam, bestehend aus Max Dettenthaler und Carolin Betz aus der Q11.

Die vorfreudige Gespanntheit auf die Beiträge des Unterstufenchors ließ die Gefahr, den Verlockungen eines eventuell zur Überentspanntheit verleitenden Wiegenliedes (Nightwind Lullaby) zu erliegen, gar nicht erst aufkommen. Dies lag neben dem sängerisch Dargebotenen ein Stück weit sicherlich auch an der kontrastreich aufbereiteten Personenkulisse auf der Bühne. Gerecht werden konnten die jüngsten Sänger/innen der Schule auch dem Titel ihres zweiten Stücks, Das Beste, dem die akustische Untermalung durch bunte Papprollen-auf-Oberschenkel-Beats entsprechend griffige Zusatzakzente verlieh. Aus den Reihen des als harmonische Einheit auftretenden Unterstufenchors als Gesangssolisten herauszuragen wagten sich an diesem Abend Lilly Barschat, Juliana Müller, Nicolas Ramming, Laurin Kosmann und Arik Rys.

Einen überzeugenden musikalischen Schulterschluss zwischen Unter- und Oberstufe vollzogen die Schülerinnen Katharina Stengel (7c) und Josephine Bail (Q11) mit dem Duo für 2 Violinen op. 8, Nr. 1 von Ignaz Pleyel. Völlig andere Töne schlug im Anschluss daran die Klasse 6b mit ihrem Anytime you need a Calypso an und weckte zuhörerseitig damit vermutlich all jene Assoziationen, die landläufig mit dem Calypso-Begriff so einhergehen mögen. Von ihrer dadurch angeleiteten Gedankenreise in die Welten der griechischen Mythologie, afro-karibischer Tanzszenarien oder ferner Himmelsgestirne in heimische Gefilde zurückgeführt wurde das Publikum durch eine Interpretation von Schuberts Das Wandern, die das darin besungene Wasser und andere Naturelemente sehr eindrücklich heraufbeschwor. Dargeboten wurde dieser Klassiker deutschen Liedguts mit Philipp Gstaltmeyr (Q11) von einem in dieser musikalischen Tradition bestens bewanderten Sänger unter Klavierbegleitung von Antonia Singer (Q11). Dass das Konzept eines durch einen 17-Jährigen vorgetragenen Volkslieds aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch zu Beginn des 21. noch sehr gut verfangen und aufgehen kann, war spätestens dem begeisterten und langanhaltenden Applaus des Wendelsteiner Publikums zu entnehmen.

In eine musikalisch völlig andere Richtung wurde die Jagd nach musikalischen Highlights  durch die Bodypercussion-Darbietung der Fortgeschrittenen gelenkt. Die komplett in schwarz gekleideten und nur mit roten Schwinghockern und roten Handschuhen attribuierten Percussionisten waren schon allein optisch ein Hingucker und entwickelten sich im Rahmen ihrer Inszenierung des Walzers Nr. 2 von Schostakowitsch zu einem regelrechten Aulastürmer. Der Sitzwalzer, der die jeweils taktvoll-behandschuhte Berührung der Tanznachbarn mit einschloss, wurde mit ebenfalls riesengroßem Beifall bedacht.

Ein interessantes Klangpotpourri ergab sich in den folgenden drei Programmbeiträgen aus dem sprichwörtlichen Zusammenspiel von Bigband, Klavier und den Percussion-Einzelakteuren Nils Albrecht und Rebecca Wagner aus der Q11. Die durchaus als Wunsch zu verstehende Aufforderung des Songs Fly Me to the Moon hatte sich für so manch einen der Besucher, der bestens gelaunt und begleitet vom langsam verhallenden Sound von Hang on Sloopy den Weg in die Pause antrat, an dieser Stelle des Konzertabends vermutlich ohnehin schon bewahrheitet.

Mit der Ouvertüre der Feuerwerksmusik von Händel eröffnete das Orchester namensgetreu den zweiten Teil des Abends und an diese schloss sich mit Conquest of Paradise ein weithin bekanntes Stück Filmmusikgeschichte aus dem Soundtrack zu 1492 an. Aus dem „eroberten Paradies“ zurück und in völlig andere Welten führte die Zuhörerschaft der aus der Star-Wars-Trilogie bekannte Imperial March, zu dessen fulminantem Auftakt Darth Vader höchstpersönlich den Laser-Dirigentenstab anreichte. Das bereits in früheren Jahren einmal als Klavierstück in der Wendelsteiner Aula vorgetragene James-Bond-Theme Skyfall hatte sich ? unter musikalisch ganz anderen Vorzeichen ? diesmal der Mittel- und Oberstufenchor zur anspruchsvollen Aufgabe gemacht. Eingestimmt auf diesen jungen Klassiker der Filmmusikgeschichte wurde das Publikum mit durchschlagenden Walther-PPK-Lauten und einer aspirierten Stimme aus dem Off, die das unverkennbare „Oh James…!“ in die Aula hauchte. Im Zusammenspiel mit den schwarzen Anzügen und Cocktailkleidern der Sänger/innen war damit die perfekte Assoziationskulisse für diverse Bond-Girls, Miss Moneypennys, „Qs“, „Ms“ und den Chorbeitrag geschaffen, der von Nils Albrecht am Klavier begleitet wurde und dem Mirjam Vogt (Q11) mit ihrem Gesangssolo der eher leisen, dafür aber umso eindrücklicheren, Töne zu einer ganz besonderen Qualität und Güte verhelfen konnte.

Mit inzwischen gelockerter Fliege, Cappy, Loopschal und Marleen Blum aus der 9d am Klavier trugen die Mitglieder des Mittel- und Oberstufenchors als nächstes den Titelsong des Films Fame vor. Der im Liedtext formulierte Imperativ des „Remember my name!“ dürfte dank der rundum überzeugenden Performance auch bei den allermeisten Zuhörern angekommen sein.

Zum ebenfalls klassischen Inventar der Wendelsteiner Konzerte gehört trotz ihrer noch immer recht jungen Jahre inzwischen das Harfenspiel von Lea Wößner aus der 7. Jahrgangsstufe. Mit Habanera entführte sie das Publikum diesmal in karibiknahe Gefilde und ließ die in Cannelle musikalisch heraufbeschworenen Zimtnoten auch in unseren Breiten hör- und spürbar werden.

Mit Il Sol y Mar, das neben dem wortwörtlichen Verweis auf Sonne und Meer zahlreiche Anklänge an den Karneval in Rio aufweist, ebneten die fortgeschrittenen Percussionisten allen Anwesenden dann endgültig den Weg in Richtung Sommerferien.

Die in einigen Teilen verjüngte Rockband beschloss die Konzertabende mit Start me Up und All Summer Long und so manch einer der Beiträge ist dem Publikum sicherlich auch noch weit über die beiden „SOKOs“ hinaus und vielleicht sogar den ganzen Sommer lang im Ohr geblieben, so dass die 36 Stunden vor Sommerferienbeginn beschlossene Jagd der „SOKO 2018 Wendelstein“ nach musikalischen Highlights als eine rundum und in jeder Hinsicht erfolg- und ergebnisreiche bezeichnet werden kann.

Die musikalischen Akteure und die weitgehend im Hintergrund agierenden Konzerthelfer/innen wurden als unabdingbare Gelingensfaktoren für dieses Veranstaltungsformat bereits benannt. Großen Dank sprach das Moderatorenteam auch dem Förderverein der Schule für die finanzielle Unterstützung der konzertvorbereitenden Musiktage sowie die ebenfalls durch diesen ermöglichte Anschaffung eines neuen Mischpults aus. Völlig undenkbar und letztlich wohl auch unmöglich wäre das Zustandekommen und Gelingen solch facettenreicher und qualitätvoller Veranstaltungen jedoch ohne das Engagement, die Expertise und den langen Atem der Wendelsteiner Musiklehrkräfte (Susanne Schoch, Christoph Heinlein, Tobias Freund, die seit Februar 2018 von Johanna Thalhammer unterstützt werden) im Umgang mit den aus dem Musikunterricht, einzelnen Oberstufenprofilkursen und diversen Wahlfächern gespeisten Ensembles, Chören und Solisten.

Mirjam Müller

Fotos: Simon Schmidt, Jonathan Schall und Werner Bloß

 

 

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