Kooperation mit der Akademie - Praktikum Kunst

Die Fachschaft Kunst freut sich sehr, dass das studienbegleitende fachdidaktische Praktikum nun zum dritten Mal am Wendelsteiner Gymnasium stattfinden konnte. Schülerinnen und Schüler der Klassen 7b und 7c arbeiteten von Oktober bis Februar klassenübergreifend im Kunstunterricht zwei Schulstunden mit Lehramtsstudierenden der Kunstakademie Nürnberg zusammen. Die StudentInnen unterrichteten jeweils zu zweit drei SchülerInnengruppen und wurden von Dr. Thomas Michl, Fachdidaktiker an der Akademie, und den Kunst- und Praktikumslehrkräften Werner Bloß und Claudia Leder betreut und begleitet. Die Abschlussausstellung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg vom 22. bis 27.2.2018 – Höhepunkt und zugleich Abschluss des Praktikums – war ein besonderes Ereignis für alle Beteiligten. 

Die Fotografien illustrieren die Ausstellungseröffnung abends an der Hochschule, bei der neben den drei Projektgruppen – „Sounduniversum“, „Neueste Erkenntnisse der Phobiologie“, „Sensationeller Skelettfund im Vorgarten“ – unserer Schule auch Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Labenwolf-Gymnasiums in Nürnberg ihre Werke ausstellten. Eine besondere Würdigung der Arbeit aller Beteiligter am außergewöhnlichen Ort – mit Freude zu sehen am vertieften Interesse des zahlreichen Publikums, der Eltern und Großeltern, Lehrkräfte, Freundinnen und Freunde. In den folgenden Berichten stellen „unsere“ Praktikantinnen ihre Projekte vor und blicken auf eine erfahrungsreiche Zeit zurück:

 

Sounduniversum

Im Rahmen des studienbegleitenden Praktikums in Kooperation mit der AdBK Nürnberg hatte ein Teil der Klasse 7c im ersten Halbjahr die Möglichkeit am Kunstprojekt „Sounduniversum“ teilzunehmen. Ein Team aus zwei StudentInnen der Kunstpädagogik übernahmen die Rolle der Lehrkräfte und begleitete ihre SchülerInnen in ihrem kreativen Werdegang. Im Laufe des Halbjahres näherten sich die SchülerInnen den Begriffen „Klang“ und „Sound“ an und machten sich Gedanken darüber, welche Rolle Geräusche eigentlich in ihrer Umwelt spielten. Nachdem die Ohren feinsinnig lauschen gelernt hatten, begab man sich als Gruppe von Klangforschern auf Exkursion in den nahegelegenen REWE. Bewaffnet mit Aufnahmegeräten und iPads entstand ein spannendes Archiv aus Geräuschen, Tönen und Fragmenten aus der Klangwelt des Supermarkts. Im weiteren Verlauf galt es, aus diesem Pool zu schöpfen und mithilfe der digitalen Audiowerkstatt „Audacity“ im Computerraum verschiedene Klangkompositionen zusammenzustellen. Als diese zu einer Gruppenkomposition zusammengefügt und zwei Hörbücher sowie zwei abstrakte Stücke entstanden waren, begann man mit dem Entwerfen passender Soundskulpturen. Nach mehreren Stunden des Bauens waren vier Skulpturen entstanden, die als Klangkörper für die Kompositionen dienen sollten. Im Rahmen der Praktikumsausstellung an der AdBK Nürnberg Ende Februar 2018 wurden die fertigen „Sounduniversen“ dann feierlich von den SchülerInnen und Lehrkräften präsentiert.

Johanna Stief

 

Neueste Erkenntnisse der Phobiologie

Im Rahmen des studienbegleitenden Praktikums der StudentInnen der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg haben die SchülerInnen der Klassen 7b/c unbekannte Phobien erforscht. Zuerst haben die SchülerInnen die Grundlagen von Angst und Phobie kennengelernt. Daraufhin wurde ein Lexikon der Phobiologie erstellt, indem jede/r ihren/seinen eigenen Artikel zu einer selbsterfundenen, absurden Angst gestaltet hat. Dabei haben sie sich eine interessante Thematik ausgesucht, diese benannt und daraus einen fremdsprachlichen Fachbegriff abgeleitet. Die Angst wurde im jeweiligen Lexikonartikel durch Definition, Schutz- und Bewältigungsmechanismus beschrieben und mit einer passenden Darstellung verbildlicht. Auf dem Umschlag des zusammen gestalteten „Lexikons der Phobiologie“ sind verschiedene Reaktionen der ängstlichen Mimik zu sehen. Im zweiten Teil war es die Aufgabe sich in Gruppen zusammenzufinden und gemeinsam ein Objekt für Schutz und Bewältigung der jeweiligen Phobien zu bauen. Gut kombinierbare Ängste fanden sich in einer Untergruppe, zur Gestaltung eines Objekts zusammen. Die verfügbaren Materialien wie Stoffe, Styropor, Schaumstoff, Pappmaché, Holz und Goldfolie wurden von den SchülerInnen kreativ eingesetzt. Es entstanden fünf Installationen: 

1. Der Tempuslanalaukaaito 

Eine überdimensional-große, begehbare Uhr in der man die Angst vor der Zeit überwinden kann. Außerdem kann man sich darin, wie in einem Babybauch, einkuscheln und lernt, dass man keine Beulen bekommt, auch wenn man mit dem Kopf dagegen stößt. Das weiche Material lässt einen gleichzeitig die Angst vor Wolle überwinden.

2. Der Prinzessin-Einhorn-Zentaur 

Ein fliegendes Wesen, dessen Schokoladenaugen ausfallen. Diese können gegessen werden um gefährlichen, glitzer-duftenden Einhörnern und Monster-Prinzessinnen den Schrecken zu nehmen. Der Kokolatrioculusca schützt in diesem Zusammenhang davor, dass einem Dinge, hier Augen, in die Toilette fallen.

3. Der Anti-Ton-Kneif-Knicker 

Eine Werkzeugkombination aus Kopfhörern, Schutztasche und Armband. Die Kopfhörer schützen bei ungerechtfertigtem Geschimpfe, die Tasche lässt keine Eselsohren zu und das Armband verhindert, dass man beim Lesen des Buches in die unglaubliche Geschichte hineingezogen wird.

4. Der Exfenstramchromatamalis-Anzug

Dieser hilft einem, die Angst vor furchtbaren Farbkombinationen zu überwinden, indem man sie nah am Körper trägt. Sollte man dabei aus dem Fenster fallen, sind beste Schutzpolster eingebaut.

5. Die Senzaikink-Abwehrmaschine

Diese besteht aus Schuhen, Handschuhen und Haube. Durch die Kopfbedeckung kann Spülmittel auf ?-Kilometer genau orten. Die Handschuhe können die Blasen durch ein aufwändiges Verfahren beseitigen. Währenddessen schützen die speziellen Schuhe vor Flecken und durch ihre Bügelfunktion lässt sich die Angst vor Knicken leicht überwinden.

Genauere Angaben zu den verschiedenen Ängsten sind im „Lexikon der Phobiologie“ nachzulesen.

Wir bedanken uns für die neuen Einträge und Erkenntnisse.

Forschung und Labor: Linda Werner und Lisa Hartmann

 

Sensationeller Skelettfund aus dem Vorgarten

Die Projektgruppe mit dem Titel „Sensationeller Skelettfund aus dem Vorgarten“ präsentierte in der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg vom 22.- 27.02.18 ihre skulpturalen und zeichnerischen Arbeiten. Wunderbare Zeichnungen von grotesken Tierskeletten wurden – indirekt beleuchtet – als Zitat prähistorischer Höhlenmalerei im Eingangsbereich des Ausstellungsraumes präsentiert. Dort lagen halb sichtbar, halb noch von Erde bedeckt die eigentlichen Überreste der längst ausgestorbenen Lebewesen, wodurch dem Betrachter das Gefühl vermittelt wurde, einer tatsächlichen Ausgrabung beizuwohnen.

Sowohl Paläontologen als auch Archäologen würden diese Skelette wohl vor den Kopf stoßen, denn diese lassen sich in keine bekannte Wirbeltierklasse einordnen und weisen außerdem kultische, von Menschenhand gemachte Bemalung auf. Von Oktober '17 bis Februar '18 entwickelten Schülerinnen und Schüler der 7b und 7c im Rahmen des studienbegleitenden Praktikums unter Leitung von Studentinnen der AdBK Nürnberg diese fantastischen Tierskelette. Dafür wurden elementare Kenntnisse der Anatomie und Skelett-Struktur von Wirbeltieren vermittelt und dahingehend Konzeptzeichnungen und Übungen gemacht. Auf dieser Grundlage wurde danach in Gruppen das endgültige Tierskelett, mithilfe aufeinander abgestimmter Arbeitsteilung Schritt für Schritt entwickelt. Dem Bauen adäquater Untergerüste, der Ausformung von Volumen und Knochenform und der Bemalung mit natürlich wirkenden Knochenfarben als auch mit den an die Tradition der mexikanischen Totentage angelehnten Mustern, sollte dabei besondere Beachtung geschenkt werden. 

Margareta Paukner

 

Für uns Kunstlehrkräfte ist das semesterbegleitende Praktikum ein besonderes Ereignis. Wir empfinden die Zusammenarbeit mit den Lehramtsstudierenden und mit Dr. Thomas Michl als sehr bereichernd und belebend. Manchmal stressig, bisweilen anstrengend – „Wo sind die Scheren/Stifte/Kleistereimer/Kartons/Stoffe noch einmal gelagert?“, „Alle Daten sind weg – Fallstricke und Tücken im Computerraum“, „Wieviel Zeit haben wir noch?! Nächste Woche ist Ausstellung.“ – ist dieses Praktikum für uns von unschätzbarem Wert.

Neue Impulse, andere Herangehensweisen, die Verbindung von akademischer, künstlerischer Haltung mit Themen des Schulbereichs können durchaus als „schulinterne Fortbildung, speziell für Kunstlehrkräfte“ interpretiert werden: Alle lernen von allen. Zu sehen, mit welcher Kreativität, Freude und Engagement unsere SiebtklässlerInnen in ihren jeweiligen Gruppen mit ihren jeweiligen Lehrkräften ihre Projekte voran und zum Abschluss bringen, beeindruckt schon sehr.

Claudia Leder

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