„Frühling lässt sein blaues Band…“! – Die beiden Frühjahrskonzerte am Gymnasium Wendelstein

Im Gewand des neuen Formats zweier Frühjahrskonzerte luden die aktiven Schulmusiker/Innen des Gymnasiums zu zwei stimmungsvollen Veranstaltungsabenden ein, die den Zuhörern ein (viel-)stimmig abgemischtes und viel Frühlingsvorfreude vermittelndes Potpourri aus Vokal- und Instrumentalstücken boten.

In Anbetracht der eher misslichen Wetterlage wollte bei so manch einem Konzertbesucher bei seiner Ankunft in der Aula des Gymnasiums vermutlich noch keine wirklich frühlingshafte Stimmung aufkommen. Dies sollte sich jedoch unter den Eindrücken des frisch und abwechslungsreich aufgelegten Abendprogramms sehr schnell ändern. „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…“. Das in Eduard Mörikes weithin bekanntem Frühlingsgedicht beschworene „blaue Band“ fand sich bereits auf dem Cover der Konzerteinladung rund um das Gebäude des Gymnasiums aufgespannt und durfte an beiden Abenden in die unterschiedlichsten musikalischen Richtungen flattern.

Mit dem in die noch eher dezenteren Töne des Frühlings gekleideten Unterstufenchor eröffneten die Jüngsten der Schule das musikalisch bunte Programm und boten den Zuhörern mit dem aus Südafrika stammenden „Siyanibulisa“ einen warmen und herzlichen Empfang. Der von den Unterstüflern im Folgesong der Sportfreunde Stiller beschworene erste große „Applaus, Applaus“ des Abends war ihnen auf Grund ihrer schwungvoll-beherzten Performance zudem absolut sicher.

In weiterer Anlehnung an Mörikes Frühlingsklassiker hätte es heißen müssen: „Süße, wohlbekannte Töne streifen ahnungsvoll das Land“. Zu diesen wohlbekannten Tönen gesellten sich in der Wendelsteiner Aula darüber hinaus jedoch noch zahlreiche erfrischend neue Höreindrücke. Das den Konzertabenden zu Grunde liegende musikalische Konzept erschloss sich den Zuhörern in weiten Teilen intuitiv und wurde in seinen tieferliegenden Nuancen ergänzend durch Max Dettenthaler aus der 10. Jahrgangsstufe vermittelt, der als Moderator in gewohnt beschwingter und launiger Weise durch den Abend führte.

Weiter hinein geleitet in die vor den Ohren der Zuhörer entfalteten Klanglandschaften wurde das Auditorium durch das Klavierstück „Nefeli“ des Filmmusikkomponisten Ludovico Einaudi, dargeboten von Marleen Blum aus der 8. Jahrgangsstufe, die trotz ihrer jungen Jahre schon auf eine gut achtjährige Klaviererfahrung zurückgreifen kann, die ihrem beeindruckenden Solovortrag auch in jeder Phase anzumerken war.

Der Titel des Stückes „Streetbeat bunt“ fand sich auch in der Kleidung der Percussionisten der Jahrgangsstufen 5-8 wiederaufgenommen, die ihre Nummer gewohnt beat- und taktsicher und mit erkennbarer und ansteckender Begeisterung zum Besten gaben. Die kräftigen Beats der Straße fanden in dem „Venetianischen Gondellied op. 30 Nr. 6“ von Mendelssohn Bartholdy aus „Liedern ohne Worte“ im Folgenden einen passenden klassischen Kontrapunkt, der von Leon Redeker aus der 10. Jahrgangsstufe souverän und mit sehr viel Einfühlungsvermögen vorgetragen wurde.

Einen Verweis auf die vielfältigen Möglichkeiten des musikalischen Umgangs mit Streichinstrumenten boten die wendelSTREICHER in ihrem Stück „Triads“. Die jüngsten Streicher der Schule stellten titelgemäß unter Beweis, welche Klangvielfalt sie ihrem Instrument in gestrichener, gezupfter und gegriffener Verwendung jeweils zu entlocken im Stande sind. Nahtlos gingen die jungen Streicher danach im Vollorchester auf, das ein Stück aus Smetanas „Die Moldau“ vortrug, in dem die Wasserbewegungen des titelgebenden Flusses regelrecht hör- und greifbar wurden und die zuvor dargebotenen „Triaden“ nun zu wahren Klang-Myriaden anschwollen.

Nach der vom Orchester eingerahmten Pause bot selbiges noch das auch weit über den Kreis eingefleischter Westernfans hinaus bekannte „The Man with the Harmonica“ aus „Once upon a Time in the West“ von Ennio Morricone dar und eröffnete damit die zweite Hälfte des Konzertabends.

Eine musikalische Reminiszenz an den jüngst verstorbenen Leonard Cohen schuf der seit diesem Schuljahr um den Oberstufenchor erweiterte Mittelstufenchor mit dem vielen Zuhörern aus dem Film „SHREK“ bekannten „Hallelujah“ unter griffiger Klavierbegleitung von Nils Albrecht aus der 10. Jahrgangsstufe. Diesen ersten stimmgewaltigen Eindruck setzte der Chor dann in Jonathan Larsons „Seasons of Love“ aus dem Broadway Musical „Rent“ fort und wurde dabei gewohnt virtuos von Kilian Langenhorst aus der Q11 am Klavier begleitet. Diesem Beitrag schloss sich mit „Archangel“ ein weiteres hochkarätig dargebotenes Klaviersolo von Antonia Singer aus der 10. Jahrgangsstufe an.

Ein von vielen im Auditorium herbeigesehntes Highlight des Abends stellte sicherlich der in diesem Schuljahr um noch weitere Stimmen ergänzte Lehrerchor dar, der ? unter Klavierbegleitung von Thomas Scherzer ? mit „Take my Hand, Precious Lord“ ansteckend schwungvolle Töne anschlug und das Publikum einmal mehr zu begeistern wusste.

Den musikalischen Schlussakzent des Abends setzte die Percussion-Gruppe der Jahrgangsstufen 7-10, die inzwischen auf die hörbare Expertise gleich mehrerer Percussionisten mit langjähriger Erfahrung zurückgreifen kann. Diese brachte mit dem Traditionen aus Afrika folgenden „Fried Pogo“ die Aula endgültig zum Beben und verstand es ankündigungsgemäß und unter beeindruckendem Einsatz von Händen und Füßen den Winter schließlich endgültig auszutreiben.

Eingerahmt und abgerundet wurde die Veranstaltung auch diesmal wieder durch den engagierten und inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Einsatz der Lichttechniker, des Bühnenumbauteams, der Wahlkurse Kochen und Catering sowie zahlreicher Helfer vor, auf und hinter der Bühne.

Für die musikalische Leitung und das unbestreitbare Gelingen der Veranstaltungen zeichnen die drei Wendelsteiner Schulmusiker Tobias Freund, Christoph Heinlein und Susanne Schoch verantwortlich, denen es auch im Rahmen des neu aus der Taufe gehobenen Formats der Frühjahrskonzerte gelungen ist, mit den Wendelsteiner Schulensembles, Chören und Solisten zwei abwechslungsreiche Abende auf eindrucksvollem musikalischem Niveau zu gestalten, die in der Zusammenschau bzw. im Zusammenklang sehr viel mehr zu bieten hatten als den Mörike mit Blick auf das Frühjahr vorschwebenden „leisen Harfenton.“

Das größte auch publikumsseitig an die beiden Veranstaltungen zu richtende Lob findet sich jedoch dennoch wiederum in den beiden Schlusszeilen von Mörikes Frühlingsklassiker ausgesprochen: „Frühling, ja du bist`s! Dich hab ich vernommen!“

 

Text: Mirjam Müller

Fotos: Kurt Preinl

 

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