Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit

Die Seminarteilnehmer*innen blicken auf ein farbiges Diagramm mit vier Linien, das einen Zeitraum ab 1975 abbildet. Die unterste Linie verharrt nahezu unverändert auf niedrigem Niveau bei einstelligen Prozentwerten. Die beiden darüber liegenden Linien verlaufen parallel zueinander mal oberhalb, mal unterhalb der 10%-Schwelle. Abgekoppelt von dieser Entwicklung durchbricht die oberste Linie zwei Mal Werte jenseits der 25 Prozent. Was die Grafik zeigt, sind die Arbeitslosenquoten von vier Qualifikationsgruppen in der BRD in aufsteigender Reihenfolge: zivile Erwerbspersonen mit (Fach-)Hochschulabschluss, mit Abschluss eines Lehrberufs, über alle Bildungsabschlüsse hinweg und ohne Berufsabschluss. Während die Arbeitslosenquote in der Qualifikationsgruppe mit (Fach-)Hochschulabschluss im Jahr 2018 bei gerade einmal 2 Prozent liegt, beträgt sie in der Gruppe ziviler Erwerbspersonen ohne Berufsabschluss 17 Prozent. Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ist also ein (Fach-)Hochschulabschluss.

 

Diese Erkenntnis ist nicht die einzige, die die Teilnehmer*innen des W-Seminars „Sozialstaat und sozialer Wandel“ nach dem Vortrag zum Thema „Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktforschung in Deutschland“ am 13.11.2019 von Dr. Christopher Osiander, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in Nürnberg, gewinnen konnten.

Das W-Seminar mit dem Leitfach Wirtschaft und Recht beschäftigt sich mit dem Sozialstaat als zentralen Bestandteil mit Verfassungsrang in unserer Wirtschafts- und Rechtsordnung, welcher auf vielfältige Weise unser Leben prägt. Es behandelt neben sozialpolitischen Gestaltungselementen, Gerechtigkeitsvorstellungen und theoretischen Grundlagen auch aktuelle Fragen der Sozialpolitik.

 

Im Rahmen des Vortrags von Dr. Osiander erhielten die Seminarteilnehmer*innen Einblicke in die empirische Sozialforschung mit ihren qualitativen und quantitativen Methoden sowie in das System der Beratung, Betreuung und Vermittlung von Arbeitslosen in Deutschland. Sehr engagiert diskutierten die Seminarteilnehmer*innen zum Vortragsende ausgewählte Forschungsergebnisse des IAB.

 

Und noch eine weitere Erkenntnis dürften die Seminarteilnehmer*innen gewonnen haben: Ein (Fach-)Hochschulabschluss ermöglicht nicht nur möglichst hohe Beschäftigungschancen, sondern die intensive Auseinandersetzung mit spannenden Themen.

 

Christian Endres