„Abi hoch drei“ – Verabschiedung eines ganz besonderen Jahrgangs am Gymnasium Wendelstein

Pünktlich zu den Auftaktworten der offiziellen Zeugnisverleihung des lange unter vielen dunklen Vorzeichen stehenden Abiturs 2020 frischte ein angenehmer Wind im festlich dekorierten Innenhof des Gymnasiums auf und die Wolkendecke begann sich zu lichten.


Ähnlich unvorhersagbar wie die Wetterlage war über längere Zeit auch der mögliche Rahmen einer solchen Veranstaltung zu Corona-Zeiten. Die Planungen zur Abiturfeier mussten im Vorfeld immer wieder aufs Neue den jeweils aktuellen Lockerungen und fortbestehenden Hygienemaßgaben angepasst werden. Für den 17. Juli, den Tag der offiziellen Entlassung der Abiturient(inn)en,  konnte in enger Absprache mit Landrat Eckstein jedoch gut eine Woche im Vorfeld ein landkreisweites Konzept erarbeitet werden, das allen Beteiligten einen gebührenden Abschied vom Abiturjahrgang 2018-2020 ermöglichte – trotz Hygieneetikette, Abstandsregeln, Einbahnstraßensystem und Mund-Nasen-Schutz-Gebot.


Kurt Preinl, Oberstufenkoordinator und aus gegebenem Anlass diesmal zugleich auch Moderator der Veranstaltung, begrüßte um 15 Uhr die erste der insgesamt drei zeitlich gestaffelten Besuchergruppen aus Abiturient(inn)en, Eltern, Ehrengästen und Lehrkräften zur Abiturfeier 2020. Diese fand erstmals auf dem Gelände des Gymnasiums Wendelstein statt und wurde von zahlreichen Helfern zu einem feierlichen Akt gestaltet, der anderen Abifeiern am Ende in kaum etwas nachstand. Dem geschaffenen Ambiente und auch der erkennbar wohl gewählten Kleidung der frisch gebackenen Abiturient(inn)en war die Sondersituation des Jahrgangs 2020 auf den ersten Blick zwar nicht anzumerken und auch die engsten Familienmitglieder konnten an speziell reservierten und mit Abständen versehenen Tischen Platz nehmen, um der offiziellen Entlassung der Abiturienten beizuwohnen. Dass die Verabschiedung des 2020er-Jahrgangs dennoch in vielerlei Hinsicht keine „normale“ war, wurde spätestens an der bis ins Detail abgestimmten Choreographie der Veranstaltung und den Akteuren klar, die ihren Platz auf der großzügig ausgelegten Bühne jeweils einzeln und mit Maske einnahmen.


Landrat Eckstein, der den Rednerbereich stilecht mit einer „Club“-Maske betrat, und die Bürgermeister aus Wendelstein und den umliegenden Gemeinden waren bei der Verabschiedung der jungen Absolvent(inn)en ebenfalls vertreten und gratulierten ihnen in bewusst knapper als sonst gehaltenen, deshalb jedoch nicht minder herzlichen und anerkennenden Worten für das in den letzten acht Jahren, besonders aber in den letzten vier Monaten Geleistete. Schulleiter Dr. Johannes Novotný nahm in seiner Rede auf die diesem Jahrgang mit der Schulschließung abhanden gekommene „Normalität“ Bezug, bestärkte die jungen Absolvent(inn)en jedoch in der Gewissheit, im Leben immer wieder Anpassungen der eigenen Pläne vornehmen zu müssen und häufig auch gestärkt aus solchen Situationen hervorgehen zu können. Oberstufenkoordinator Kurt Preinl machte in seiner Ansprache die Akzeptanz von „Umständen, die man nicht ändern kann“ zum Thema, rief seinen Jahrgang jedoch gleichzeitig auch zum fortgesetzten Bemühen um die Veränderung von Missständen und dem unerbittlichen Nachspüren und Einfordern von Wahrheiten auf, die in krisenhaften Situationen genauso wichtig seien wie die Anpassungsfähigkeit an die Gebote der Stunde. Sein ganz besonderer Dank galt bei all dem Gemeisterten neben der Unterstützung durch die Schulleitung, Oberstufenkoordinatorin und Mitstreiterin Lore Freund, das Sekretariat, die Eltern und den Wettergott ganz explizit auch den Schüler(inne)n des Jahrgangs, die wirklich Großes geleistet und vieles an Unvorhersehbarem gemeistert hätten.


Elternbeirätin Andrea Ebeling zollte den Abiturient(inn)en als „Pionieren“ der Schule Tribut, da sie zum einen als erster, wegbereitender Jahrgang das Gymnasium Wendelstein von der 5. bis zur 12. Klasse durchlaufen haben und ihnen zum anderen in Anbetracht der aktuellen Situation besonders viel an Kreativität, Vorkämpfertum und Durchsetzungskraft abverlangt wurde, Eigenschaften, wie sie echte Pioniere nun einmal ausmachten. Als Vorkämpfer und Unterstützer auch in Zukunft möchte zudem der Förderverein der Schule möglichst viele Abiturient(inn)en gewinnen, für den dessen Vorsitzender Herr Haase zu den Anwesenden sprach.


Wie die Ergebnisse des diesjährigen Abiturs am Gymnasium Wendelstein beweisen, haben sich die Pionierleistungen und das lange Durchhalten jedoch sichtlich gelohnt und von 132 Abiturient(inn)en durften 127 stolz ihr Reifezeugnis entgegennehmen, einige davon mit ganz besonders erfreulichen und ehrenwerten Leistungen: Elf Abiture weisen einen Schnitt von 1,5 und besser auf. Einmal steht die herausragende Abiturnote 1,1 auf dem Reifezeugnis und weitere drei Schüler/innen konnten ihre gymnasiale Ausbildung mit einem Gesamtschnitt von 1,2 beschließen. Die elf besten Absolventen wurden mit Buch- und Kinogutscheinen und dem Sparkassenförderpreis ausgezeichnet. Lea Fleischmann wurde die Latein-Ehrennadel verliehen und der Preis der Deutschen Mathematikervereinigung ging an Joshua Diesch. Für herausragende W-Seminararbeiten wurden Moritz Ott (Kunst), Florian Rosenberger (Biologie), Lukas Schenk (Geografie), Anna-Sophia Tuffek (Kunst) und Christiane Uihlein (Kunst) geehrt. Maximilian Kälsch bezieht das Spektrum der Wissenschaft als Jahresabo für sein überdurchschnittlich erfolgreiches Arbeiten im Fach Chemie. Über eine Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für ihre sehr guten Leistungen im Fach Physik dürfen sich Dennis Reif, Fabian Budach, Julian Sponsel und Tobias Rauch freuen.


Für ihr Engagement und ihren Einsatz für diesen besonderen Jahrgang geehrt wurden auch die beiden Oberstufensprecher/innen des Jahrgangs, Christina Abraham und Laurin Claus, der sich zudem in einer launigen und recht kurzweiligen Schülerrede an das Publikum wandte. Für ihre unermüdlichen und sehr engagierten Bemühungen um das gute Gelingen der Abiturfeier gedankt wurde außerdem Marie Zechmeister.


Am Ende des Tages konnten alle Beteiligten auf eine trotz Abstands- und Hygieneregeln sehr stimmige Veranstaltung zurückblicken, die durch Desinfektionsschienen unterbrochen insgesamt dreimal nacheinander durchgeführt wurde. Etabliert wurde dabei auch die schöne Geste, dass Schüler/innen der Q11 den Q12-Jahrgang tatkräftig unterstützen, um sich nächstes Jahr dann als Abiturient(inn)en hoffentlich ihrerseits auf die nachrückende Q11 stützen und verlassen zu können.


Obwohl dem Abiturjahrgang – vom Abischerz über den Handschlag bei der Zeugnisverleihung bis hin zu herzlichen Umarmungen – so einiges genommen wurde und Vieles deutlich distanzierter verlaufen musste, ist das von vielen Beschwernissen, Unsicherheiten und Besonderheiten geprägte Abitur 2020 dennoch zu einem guten Ende gelangt.


Den Absolvent(inn)en wurde einiges an Duldsamkeit, Anpassungsfähigkeit und Eigeninitiative abverlangt. Den Grußworten des Landrats und auch von Bürgermister Langhans war zu entnehmen, dass sich wahrer Charakter häufig erst in der Krise beweisen kann und dass es jenseits guter schulischer Leistungen noch viel mehr auf persönliche Flexibilität und verlässliche Freundschaften im Leben ankommt. Unter ungewöhnlichen Umständen wurde ein ganz besonderer Jahrgang des Gymnasiums Wendelstein verabschiedet, den diese „Prüfung fürs Leben“ trotz Distanzgeboten am Ende vielleicht sogar enger aneinandergeschweißt hat als andere Abigenerationen und der damit vermutlich nicht nur zu einem besonderen, sondern vielleicht sogar zu einem außergewöhnlichen in der Wendelsteiner Schulgeschichte wird.

Bericht: Mirjam Müller

Fotos: Fritz Lenssen, Werner Bloß

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